Linear? Nonlinear? Und wen zum Teufel interessiert das?


Gerade läuft Günther Jauch in der ARD- die politische Talkshow für Deutschland. Es geht um Russland, Putin und die Krim. Davor gab es Tatort mit Ben Becker. Die GfK wird für die Talkshow ein Millionenpublikum messen. Trotz des sperrigen Themas mit geringem Unterhaltungswert. Die meisten Zuschauer haben sich wohl die übliche Frage des Abends gestellt, sich für den Krimi entschieden und sind dann dran geblieben. Ob sie sich für das Thema interessieren konnten, längst im Fernsehsessel schlafen oder parallel auf dem "Second Screen" ganz andere Themen bearbeiten- egal. So funktioniert lineares Fernsehen, so war es immer und so wird es immer sein, so schrieb es Jürgen Vielmeier dieser Tage auf Netzwertig.com.

Wirklich? Okay, schon mein Opa schaute einst stets interessiert den "internationalen Frühschoppen".
Das war zu den schwarz-weißen Anfangszeiten des Fernsehens und ist nun fast 50 Jahre her. Das deutsche Fernsehen hat tatsächlich einen Hang zur Ewigkeit - aber hat es deshalb auch eine Ewigkeitsgarantie ? Möglicherweise hat die Erosion ja schon begonnen.

Denn die Zukunft des linearen Fernsehens ist auch auf den Podien der Medienkongresse landauf, landab seit einiger Zeit ein vieldiskutiertes Thema. Über unabänderliche Fakten müsste aber eigentlich nicht so viel diskutiert werden.

Andere glauben an die nicht-lineare Fernsehzukunft. Das die Zuschauer immer weniger fragen werden "was kommt denn heute?", statt dessen fragen "was will ich sehen?" und nach diesem Programm in der Cloud suchen und es auch in immer größerer Zahl finden werden. Und daran glauben auch viele große Player im Netz, von Amazon bis Netflix oder auch Vivendi - und investieren.

Wer hat Recht? Ich glaube, die ganze Diskussion greift zu kurz. Noch immer werden die Möglichkeiten der Internet- und Cloud-Technologien und das Tempo ihres technischen Fortschritts völlig unterschätzt. "Gib den Menschen was sie wollen, wann sie es wollen, in der Form in der sie es wollen - zu einem vernünftigen Preis." Kevin Spacey ("House of Cards") hat in seiner "James MacTaggart Memorial Lecture" im Rahmen des Edinburgh International Television Festivals im Vorjahr die verblüffend einfache Erfolgsformel des Fernsehens der Zukunft auf den Punkt gebracht.

So einfach ist das wirklich. Denn niemand will "linear" oder "non-linear" fernsehen- alle aber ein Programm, welches sie wirklich interessiert, und das dann, wenn ihnen danach ist.

In Wahrheit geht es bei der Diskussion doch nur um die Möglichkeit der TV-Sender, selbst ein Programm für die Zuschauer auszusuchen- auf dem Weg wie oben beschrieben. Diese Möglichkeit verleiht ihnen Bedeutung und auch Macht. Und diese Möglichkeit wird verschwinden- spätestens dann, wenn das Fernsehen aus der Cloud technisch so weit ist, dass beim Zuschauen niemand mehr den Unterschied zwischen linear und non-linear überhaupt bemerkt.

Denn vorschlagen, was aktuell laufen könnte- das kann die Cloud besser als jeder Programmverantwortliche. Nur entscheiden, dass wird in Zukunft der Zuschauer selbst.

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