Harald Schmidt geht. Sky und andere kommen.



Von ihm haben wir den Begriff der "Kreativpause" gelernt. Wohl nie wieder wird jemand Helmut Zerlett und seine Band so formvollendet vorstellen. Seit 1995 hatte Deutschland die Harald Schmidt Show, mit Kreativpausen, nach dieser Woche soll nun endgültig Schluss sein. Ich hoffe, dass alle Beteiligten sich der kulturpolitischen Bedeutung bewusst sind, und die lockere Runde bei Würstchen mit Salat im obigen Video deshalb als Zeugnis der Fernsehgeschichte auf ewig abrufbar bleibt.

Seit die Show mangels Quote 2012 von Sat.1 (wohl kein Ort für intellektuelle Qualitätsinhalte ) zu Sky gewechselt war, sendete Schmidt ohnehin nur noch für eine sehr überschaubare Fangemeinde.

Harald Schmidt war wohl der einzige in Deutschland, der "Late Night" auf dem Niveau der US-Vorbilder David Letterman oder Jay Leno konnte. Das es nun vorbei ist, sagt viel über Fernsehen in Deutschland und den Strukturwandel, in den es wie in ein Schwarzes Loch immer mehr hineingezogen wird, egal wie es sich auch wehrt und dagegen ankämpft.

Zwischendurch war die Show bei der ARD auch einmal öffentlich-rechtlich- ein wenig mehr Kuscheln mit den Gremien, und Schmidt hätte wohl seinen Sendeplatz mit Ewigkeitsgarantie haben können. Sozusagen als Christine Neubauer des Spätprogramms. Wenn deren Fans die Quote eingefahren haben, ist es aus Sicht der ARD-Verantwortlichen vielleicht nicht so wichtig, wer den zahlenmäßig geringen Rest in den Schlaf quasselt.

Statt dessen landete die Harald Schmidt Show letztendlich bei Sky, mehr als Aushängeschild und Werbeträger, denn als wirklicher Programm- Key Account und wird wohl dort nun nicht mehr gebraucht.

Brian Sullivan Foto: Sky
Denn Brian Sullivan, seit 2010 bei Sky Deutschland, hat es geschafft und wird landauf, landab als der Medienmanager gefeiert, der das Unmögliche möglich gemacht hat.  Das schwierige Geschäft mit dem Pay-TV kann auch in Deutschland Geld verdienen. Auch zusätzlich zu den obligatorischen Rundfunkgebühren kann man die bisher so störrischen Deutschen zum Bezahlen fürs Fernsehen bewegen- Sky hat bewiesen, dass es hier einen Markt gibt. Zunehmend werden da auch andere Anbieter neugierig.

Statt Late-Night-Shows beginnt Sky Deutschland nun auch Serien zu produzieren und ist als Ko-Produzent der Thrillerserie "100 Code" mit einem ersten großen Projekt unterwegs. Und man hat sich zur Feier des Ergebnisses 2013 gleich noch eine Studie gegönnt. Unter dem Titel "Die dritte Säule. Wirtschaftsfaktor Pay-TV: Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Sky in Deutschland" durfte die Medienberatungsgesellschaft HMR International die wichtige Rolle von Sky innerhalb der Medienlandschaft am Standort Deutschland nachweisen.

Obwohl Sky selbst zum Jahresende 2012 nur 2.196 Mitarbeiter beschäftigte, ist dort zu lesen, dass durch die Aktivitäten des marktführenden Pay-TV-Anbieters in Deutschland mindestens 21.588 weitere Beschäftigungsverhältnisse in den Bereichen Film- und TV-Produktion, Lizenzsport, Gastronomie, Kundenservice sowie Logistik entstanden sind.

Nun ja, Harald Schmidt ist erst einmal, wie er es selbst sagt, besser dran als Uli Hoeneß. Er ist schon entlassen. Der Markt verändert sich. Durch die Ankunft der großen internationalen SVOD-Anbieter von Amazon bis Watchever wird sich die Veränderung weiter beschleunigen.

Zeit zu begreifen, dass das TV-Geschäft auch in Deutschland kein Traumschiff mehr ist.


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