Frisch von der CeBIT: Telekom mit schnellen HbbTV - Pferden

Foto: Deutsche Telekom AG
"Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt: schnellere Pferde." Henry Ford machte es anders. Statt schnellerer Pferde führte er im Jahr 1913 für sein Auto "Model T" die Fließbandproduktion ein. Bis 1927 wurden davon 15 Millionen Stück verkauft, ein Rekord, der 45 Jahre halten sollte.

Manchmal ist es besser, darauf zu achten, was die Leute tatsächlich benutzen oder kaufen statt auf Studien oder Befragungen zu setzen. Auch wenn die Zeit reif ist für ein neues Produkt heißt das noch lange nicht, dass die Konsumenten es kaufen wollen. Denn dazu müssen sie es erst einmal kennen.

In Hannover ist gerade CeBIT. Fernsehen und TV sind zwar eher auf der Berliner IFA zu Hause- aber in Zeiten, in denen Glotze und Computer in verschiedenster Form zusammenwachsen, gibt es auch in der niedersächsischen Messehauptstadt manch Neues zu sehen.

Die Telekom berichtet uns zum Beispiel über ein neues "interaktives Fernseherlebnis aus der Cloud".
Der Trend beim Fernsehen gehe in Richtung Zweitbildschirm, dem so genannten Second Screen, hat sie bemerkt. So kämen "zunehmend Tablets, Smartphones oder Notebooks zum Einsatz, etwa um mit Freunden über den Mörder im Krimi zu spekulieren oder Details über Serienhelden oder den Regisseur in Erfahrung zu bringen."

Naja, vielleicht aber auch ein wenig, um über das Programm zu schimpfen. Oder um im Netz Interessanteres zu finden. Aber lassen wir das mal beiseite.

Jedenfalls "hat das Institut für Rundfunktechnik (IRT) eine Lösung entwickelt, die das internetfähige Fernsehen (HbbTV) und das Zweitgerät zusammenbringt. Damit möglichst viele Zuschauer diese Second Screen Framework genannte Technik nutzen können, stellt T-Systems sie TV-Sendern mit der Lösung First Connect aus der Cloud heraus zur Verfügung."

Nun ist HbbTV nicht das "internetfähige Fernsehen". Es ist mehr, wie Wikipedia sagt, eine europäische Initiative für die "inhaltliche Verknüpfung von Rundfunk- und Internetinhalten". HbbTV hat aus Sicht der Fernsehsender den großen Vorteil, dass sie, die Sender, per Signal bestimmen welche Inhalte der berühmte "Red Button" denn aus der großen weiten Welt des Internets abruft- und welche nicht. Damit der Zuschauer möglichst gar nicht erst auf die Idee kommt, die weite Welt des Internets mit so Teufelsdingen wie Browsern oder Betriebssystemen völlig unkontrolliert zu erkunden. Und vielleicht dabei entdeckt, dass es - siehe Henry Ford - neben schnelleren Pferden auch noch Autos gibt, um zügig in die nächste Stadt zu kommen. HbbTV ist betreutes Internetfernsehen mit dem Ziel, das Internet möglichst draußen zu lassen- eigentlich eine sehr deutsche Idee.

Und siehe da: "First Connect von T-Systems wird aus deutschen Rechenzentren zur Verfügung gestellt und bietet höchste Sicherheit und Verfügbarkeit bei gleichzeitiger Flexibilität", so die Telekom. "First Connect ist die Basis des Hybrid-Fernsehens der Zukunft, für das T-Systems rund um die Uhr den technischen Service bei lückenloser Sicherheit garantiert", sagt Harald Henkel, der für T-Systems Rundfunksender betreut. Vielleicht ist es aber auch nur der Versuch, irgendwie diesen "Second Screen" unter Kontrolle zu bekommen. Bevor unbetreute Zuschauer auf die Idee kommen, diesen mit Dingen wie Chromecast zu verkuppeln und so den schönen Fernseher endgültig zum besonders großen Internet-Display degradieren. Ja, Chromcast und andere greifen gern auch auf undeutsche Rechenzentren zu.

Davor kann "First Connect" mit dem "Second Screen Framework" uns nun beschützen. "Um seine Geräte miteinander zu verbinden, muss der Nutzer lediglich einen QR-Code mit seinem Mobilgerät vom Fernsehbildschirm abscannen. Danach können beliebige Applikationen gestartet werden: So ist auf dem Second Screen nicht nur die Suche in Sendungsinhalten möglich, sondern Zuschauer erhalten mit dem First Connect Service auch zusätzliche Informationen zu laufenden Sendungen. Nutzer können auch direkt zwischen TV-Programmen wechseln oder die Mediathek nutzen. Der Service erlaubt es Zuschauern, während einer laufenden Sendung auf ihr Zweitgerät zu wechseln, um unterwegs weiterzugucken", so die Pressemitteilung.

"Wir freuen uns, dass First Connect von T-Systems das vom IRT entwickelte Second Screen Framework jetzt für große Nutzerzahlen ausweitet", sagt Dr. Klaus Illgner-Fehns, Direktor des Instituts für Rundfunktechnik. "Mit diesem innovativen Ansatz unterstützen wir Diensteanbieter bei der Entwicklung interaktiver HbbTV-Angebote und bereiten somit den Weg für ein neues Fernseherlebnis mit dem Second Screen."

Und schon ist die Welt wieder schön- auf allen Screens laufen schnelle Pferde....




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