Goodbye Internet, es war schön. Netflix bezahlt Wegezoll an Comcast.


Es gibt nichts wirklich Neues auf der Welt. Auch nicht im Internet. Der Wegezoll war einst eine Abgabe für Reisende und Händler an den jeweiligen Grundbesitzer, um Straßen oder Wasserwege benutzen zu dürfen. Wegezoll, so vermerkt es Wikipedia, war besonders im Mittelalter stark verbreitet. Heute sei der artverwandte Begriff Maut geläufiger. In Europa, so heißt es weiter, ginge der Wegezoll ursprünglich auf germanische Stämme zurück, die Abgaben von Reisenden verlangten, wenn sie Gebirgspassagen durchqueren wollten. Über die Geschichte des Wegezolls in Amerika sagt Wikipedia nichts.

Im Internet, so wie wir es bisher kannten, gab es keinen Wegezoll. Die Daten, einmal unterwegs, fanden ihren Weg. Mal schneller, mal langsamer, mal durch Kupfer, mal durch Glasfasern- sie fanden ihren Weg. Aber es gibt eben nichts wirklich Neues auf der Welt. Zuerst kamen Regierungen, welche mehr oder weniger erfolgreich versuchten, erwünschte von unerwünschten Daten zu trennen. Also die Grenzen der realen Welt auch im Internet zu errichten, möglichst ohne den für die Wirtschaft wichtigen Anschluss an die Datenwelt völlig zu verlieren. Nun kommen die Grundbesitzer der Strassen und Wege im Internet und stellen ihre Kassenhäuschen am Wegesrand auf.

Für die Herren der Leitungen galt bisher das Prinzip der "Netzneutralität". Sie sollten Anschlüsse und Leitungen bereitstellen und dann jedes Datenpaket gleich behandeln- egal wer es sendet oder empfängt. Egal, ob wichtig oder unwichtig, reich oder arm, mächtig oder unbedeutend. Eine schöne Utopie. Spätestens seit sich die Flatrate als Bezahlmodell beim Endabnehmer durchgesetzt hat. Denn die Datenmengen wachsen schneller als die Leitungskapazitäten. Die wohl wichtigste Ursache dafür: Video und Internet-TV.

Nicht erst seit gestern fordern die Infrastrukturanbieter: Wer mehr Datenverkehr verursache als andere, solle dafür mehr bezahlen. Und wer mehr bezahle, solle für seine Daten dann auch "Vorfahrt" erhalten- ein Netz mit Daten erster und zweiter Klasse würde entstehen.

Netflix hat jetzt einen Vertrag mit Comcast geschlossen. Comcast, gerade erst durch die Übernahme von Time Warner Cable in den Nachrichten, ist mit 30 Millionen angeschlossenen Haushalten der größte Internet-Anbieter in den USA. Netflix ist mit seinem Streaming-Video-Service einer der ganz großen Traffic-Verursacher. Jetzt bezahl Netflix Comcast dafür, dass die Netflix-Videodaten etwas zügiger zum Kunden kommen als bisher.

Auf den ersten Blick ein ganz normaler Wirtschaftsdeal. Genauer betrachtet jedoch das Ende des Internets, so wie wir es kennen. Technisch, so wird man sagen, ist alles natürlich viel, viel komplizierter. Was aber auch immer die PR-Fachleute daraus machen, im Grunde bedeutet es nichts anderes als: Der Wegezoll ist da. Wenn jeder, der im Internet Daten verschickt, damit rechnen muss, dass jemand noch Geld von ihm haben will nur damit nicht alles plötzlich gaaanz langsam wird- tja dann, dann ist auf einmal alles ganz anders.

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