ZDF-Zuschauer-Petition: Mehr als 20.000 gegen Markus Lanz

Screenshot: ZDF Mediathek

Es ist ein wohl gehütetes Geheimnis, wie viel von unseren Rundfunkgebühren so als Honorar an einen "WettenDass"-Moderator gezahlt wird. Es ist auf jeden Fall nicht wenig. Die damit verbundene Popularität sorgt dafür, dass man hier und da noch etwas zuverdienen kann. Kurz und gut, man kann sich aus der Mindestlohndebatte raushalten und den Lebensabend in einer größeren Villa im kalifornischen Malibu planen. Menschlich ist es da durchaus nachvollziehbar, wenn man DieLinke und ihre Vertreter nicht wirklich leiden kann. Die wollen den sehrsehrgut-Verdienern schließlich ständig mit höheren Steuersätzen ans Konto.

Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite wird betreten, wenn ein öffentlich-rechtlicher Moderator so agiert, dass jeder Zuschauer bemerken muss dass er einen Gast und seine politische Einstellung nicht mag. Zumindest dann, wenn man diesen selbst in seine eigene Talkshow zum Gespräch eingeladen hat. In diesem Fall ist so etwas schlicht unprofessionell.

WettenDass- und Talkshow-Moderatoren wie Markus Lanz im ZDF werden nicht zu Unrecht so gut bezahlt. Bei TV-Shows, welche mit Millionen für Millionen gemacht werden, sind normalerweise Profis im Einsatz, vor der Kamera wie hinter der Kamera. Selbst dann, wenn RTL ins Dschungelcamp zieht oder Frauen für Bauern sucht sind für den Sender Leute im Einsatz, vor deren Können man Hochachtung empfindet, auch dann, wenn die Inhalte diskussionswürdig sind. "Unprofessionell" ist in der TV-Branche das denkbar schlimmste Leistungszeugnis.

Markus Lanz, als WettenDass-Moderator mittlerweile schon Garant für einen ausgewachsenen Twitter-Shitstorm, hat es nun auch mit seiner Talkshow geschafft. Das Publikum da draußen beginnt, sich vom Fernsehsessel aus zurückzumelden. Und wer deshalb eine Klarnamenspflicht für Twitter fordert, kann das haben und bekommt als nächstes eine Zuschauer-Petition auf den Tisch:



Mehr als 20.000, Stand jetzt, fordern da mit ihrem Namen vom ZDF "der Lanz muß weg"- so weit muss man es erst einmal bringen. Der Anlass des Ärgers war der schlicht unprofessionelle Umgang von Markus Lanz in seiner Talkshow mit der stellvertretenden Vorsitzenden der Linken, Sarah Wagenknecht.

Für Beschwerden gibt es ja eine "ZDF-Zuschauerredaktion". Die hat auf Beschwerden über die Sendung, so Stefan Niggemeier in seinem Blog, unter anderem offenbar mit dem Hinweis reagiert, Frau Wagenknecht sei mit der Auseinandersetzung "zufrieden" gewesen. Niggemeier weiter: "Das mag sogar sein, denn sie musste nur klüger und besonnener wirken als Lanz und Jörges, um klug und besonnen zu wirken, weshalb sie außerordentlich klug und besonnen wirkte. Markus Lanz macht diese Sendung aber nicht für Frau Wagenknecht."

Genau das ist der Punkt. Die Sendung wird von Fernsehgebühren finanziert und soll zur Unterhaltung dienen sowie zur politischen Information beitragen. Zumindest der zweite Punkt wurde vom Moderator mit allen ihm zur Verfügung stehenden intellektuellen Möglichkeiten offensichtlich bewusst verhindert. Wer es nicht gesehen hat: Das Sendungsprotokoll zum Ärger kann man auch bei Stefan Niggemeier nachlesen.

Es ist ein peinliches Zeugnis für den Versuch Frau Wagenknecht vorzuführen- ein Versuch der nach hinten losging und statt dessen den Moderator vorführte. Als Quasselkopf mit Kleinkind-Sandkasten-Benehmen und mit eklatanten handwerklichen Defiziten in seinem Beruf. Dafür ist kein Profi-Gehaltszuschlag angebracht.

Wer in Deutschland sendet, ist auserwählt und genehmigt. Der große Rest hat die Botschaften zu empfangen. Diese Zeiten sind mehr und mehr vorbei. Wie einst im Colosseum zu Rom übernimmt das Publikum die Macht und bestimmt mit dem Daumen das Schicksal des Gladiators Fernsehmachers. Woher hat Facebook eigentlich die Idee mit dem Daumen?

Update 1, 16 Uhr: Mehr als 25.000 und Sarah Wagenknecht ist gar nicht zufrieden:


Update 2, 20 Uhr: Fast 35.000. Das ZDF entschuldigt sich bei Sarah Wagenknecht.

Update 3, 23.01. 10 Uhr: Fast 85.000. Zeit zum Kopfschütteln.

Update 4, 23.01. 16 Uhr: 130.000. Server zwischenzeitlich überfordert.

Update 5, 24.01. 10 Uhr: 160.000. DWDL hat Markus Lanz interviewt. Er glaubt, er habe "Meinung und Haltung" gezeigt. Meedia zweifelt, nicht ganz unberechtigt, ob bei der Zahl der Unterzeichner wirklich alles mit rechten Dingen zugehen kann und der Spiegel hat Angst vor dem "fröhlichen Vernichtungswillen" der Netzgemeinde, wenn der "erregungslustige Pöbel im Internet" jetzt "organisationsfähig" ist.

Update 6, 25.01. 20 Uhr: Fast 200.000 !! Gleich beginnt WettenDass. Zeit für einen Twitter-Ticker:



Update 7, 26.01. 22 Uhr: 216.000. WettenDass-Quoten erreichen neues Allzeit-Tief.

Update 8, 01.02., 0 Uhr: Petition wird bei 233.000 vorzeitig geschlossen.

Kommentare

Aktuell meist gelesen: