Der Nächste, bitte: Philips gibt das Fernsehen auf

Foto: TPV Technology Limited
Es ist vorbei. Auch die Koninklijke Philips N.V. gibt das Geschäftsfeld der TV-Herstellung vollständig auf. Damit gibt es in Europa nur noch die von Investoren mit Lust auf ein Abenteuer am Markt gehaltene Firma LoeweTechnisat und Helene Metz. Helene Metz wird in diesem Jahr 90 und hat im Vorjahr die Rede zum 75-jährigen Firmenjubiläum gehalten. Dabei wirkte sie wohl jünger und angriffslustiger als all die edel beschlipsten deutschen und europäischen Manager der "Unterhaltungselektronik", die vor 20 Jahren erzählten, eine europäische LCD-Bildschirm-Produktion sei auf Grund der ach so furchtbar hohen Lohnkosten nicht rentabel. Da hätte man ja die damals noch vorhandenen Gewinne der Bildröhrenproduktion investieren müssen. Investieren!! Was für eine alberne Idee.

Jetzt sind sie weg, die Grundigs und nun auch die Philips und der Autor hat einen großen, schönen LCD TV. Von LG. Die haben investiert- zum Beispiel in eine LCD-Panel-Produktion in Polen. Das liegt in Europa, und da ist er her.

Foto: TP Vision
Philips jedenfalls wird  seinen Restanteil von 30 Prozent am Gemeinschaftsunternehmen mit der chinesischen TP Vision (TPV) an den Partner abgeben, wie die Firmen heute mitteilten. Die Mehrheit an seiner TV-Sparte hatte Philips bereits vor drei Jahren an die Asiaten verkauft.

TPV, einer der großen Fernseher-Auftragsproduzenten und nach eigenen Angaben der größte Hersteller von Computermonitoren der Welt, darf weiterhin die Philips-Marke zum Verkauf seiner Geräte verwenden. Dafür gehen 2,2 Prozent der TV-Verkaufserlöse an Philips.

Das Geschäft mit der Produktion von TV-Geräten ist zum Schlachtfeld geworden. Lohnkosten spielen bei der Produktion von LCD-Panels (Überraschung!!) eigentlich so gut wie gar keine Rolle. In den hochautomatisierten Reinräumen sind Lohnempfänger immer seltener zu sehen, sie verursachen Schmutz und stehen den Robotern im Weg. Dafür sind diese Fabriken äußerst produktiv, sie laufen rund um die Uhr und wenn es nur ein paar zu viel davon gibt entsteht sehr schnell ein Problem.

Man hat sich schon fast daran gewöhnt, dass es zum großen neuen LCD-TV jetzt ein Tablet oder Handy dazugeschenkt gibt, Käufer eines Philips DesignLine Fernsehers bekommen gerade "zwei kostenlose Übernachtungen in einem Design-Hotel in einer europäischen Metropole" obendrauf.

In Europa wurde Fernsehen einst erfunden. Das Schicksal der europäischen TV-Geräteindustrie sollte nun schnellstens Eingang in alle Management-Ausbildungen finden. Als "Case-Study" wie das jetzt so schön heißt, als mahnendes Lehrbeispiel für die Erkenntnis, dass neue Basistechnologien weniger ein Grund zum diskutieren als zum investieren sind.

Philips will sich jetzt auf Medizintechnik und kleine Haushaltsgeräte wie Rasierer oder elektrische Zahnbürsten konzentrieren. Auch da ist mit asiatischen Angreifern zu rechnen.

So sehen Sieger aus Foto: TPV Technology Limited



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