"House of Cards" ist abgebrannt (2): Sat.1- Staffelfinale im Morgengrauen

© Netflix
Am 29. Dezember ist erst einmal Schluss mit den Intrigen im US-Kongreß auf Sat.1. Das schnelle Ende der vielgelobten Serie "House of Cards" auf diesem Sendeplatz war schließlich leicht vorauszusehen. Außer wahrscheinlich für die Sat.1-Programmplaner. Die hatten wohl fest damit gerechnet, dass die arbeitende Bevölkerung in der Nacht zum Wochenbeginn (Überraschung!! egal ob bis 49 oder 59- die Zielgruppe muss im Regelfall Montag früh zum Job) sich in Massen, quasi als Arbeitsvorbereitung, noch eine so komplexe Handlung wie "House of Cards" antun würde.
Aber die Sat.1-Programmplaner haben ja selbst den eigentlich unbesiegbaren Kannibalen Dr. Hannibal Lecter schon fast zu Tode programmiert.

Was das soll? Keine Ahnung. Irgendwer wird es schon wissen. Was "House of Cards" betrifft- es gibt ja auch anscheinend viele Nicht-Zuschauer: Es geht im Prinzip um Intrigen im amerikanischen Kongress. Gähn. Es geht am Sonntag Abend auf Sat.1 um 23.15 Uhr los. Noch gähner. Dann folgt (wegen Werbepausen) fast eine Stunde anspruchsvoller und komplizierter Dialoge- gern in Büros oder auf Stehpartys. Man muss aufpassen- sonst versteht man Bahnhof. Ein gewisses Grundwissen über God's own Country und seine Innenpolitik ist sehr von Vorteil. Also zusammengefasst: Bis Mitternacht passiert eigentlich nix, es ist anstrengend und wer zwischendurch austreten geht, verliert leicht den Faden. Alles klar?

Warum man sich das antun sollte? Tja. Keine Ahnung. Vielleicht, weil man dann plötzlich gegen Mitternacht in ein furioses Finale geworfen wird und zum Beispiel miterlebt, wie eine 20-jährige ehrgeizige Zeitungspraktikantin entscheidet, wer neuer US-Außenminister wird. Und man staunend davor sitzt und begreift: Ja, genau so funktionieren Politik und Medien. Auch bei uns- nicht nur in den USA.

Egal- bis Weihnachten bleibt es am Sonntag Abend noch, wie es ist. Am 29. Dezember versendet Sat.1 dann einfach den ganzen Rest der ersten Staffel. Okay, am 30. werden viele frei haben und "Binge Watching", von manchen auch Komaglotzen genannt, ist fast schon wieder so etwas wie Trend. Aber es dauert bis kurz vor halb fünf im Morgengrauen...

Eine Hoffnung auf der Suche nach Qualität im Fernsehen gibt es noch: Der Streaming-Dienst Netflix, Produzent von House of Cards, will auch nach Deutschland kommen. Für die Sat.1-Programmplaner folgende Rechenaufgabe: Wenn alle Free TV-Sender in Deutschland per Excel-Tabelle ihr gesamtes Tages-Programm so optimieren, dass der Publikums-Durchschnitt optimal erreicht wird, was passiert dann? Lösung: Es gibt 50 austauschbare Sender mit Einschaltquoten zwischen 1 und 2 Prozent. Guten Flug.

Für alle "House of Cards"- Fans bis dahin schon einmal die geniale Netflix-Werbung zur Ankündigung der zweiten Staffel: (nein, der Ton ist nicht kaputt)





Kommentare

  1. Selten so einen süffisanten und unterhaltsamen Kommentar gelesen. Stimme dem voll zu und finde es traurig, dass die sogenannten fähigen und schlauen Köpfe, die in der Programmplanung sitzen (ha, ha, finde mich selber witzig) solche qualifizierten Beiträge nie lesen.
    Für mich kommt nur noch der Genuss von Blu-ray infrage, alles andere mit Werbepausen für die Tonne und nicht empfehlenswert!

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