FC Bayern TV: Mia san der Inhalt. Sendet doch bitte Eure eigenen Tore ?

Früher war alles besser. Da konnten schnöde Sportjournalisten gemütlich Weißbier trinken und dann sogar den Fußball-Nationaltrainer kritisieren. Als gut bezahlte Arbeit wohlgemerkt. Und wenn einem Nationaltrainer dann mal der Kragen platzte, gab es als Bestrafung einen Werbevertrag und noch mehr Geld.

Heutzutage ist alles anders. Stressiger. Ein falscher Satz kann genügen und man steht vielleicht ganz ohne Interview da. Furchtbar. Das Ende des deutschen Sportjournalismus ist nahe.

Ja, früher war alles besser. Der Bundesliga-Profi, der zum Sportschau- oder Sportstudio-Interview kommen durfte, war bekannter als andere. Wer bekannter als andere war, hatte bessere Karten beim Poker mit den Klubs um Verträge und Ablösesummen. Spielerberater und Spieler versuchten selbst, "sich ins Gespräch zu bringen". Die hohen Herren im Sendeturm wählten streng aus, wer über die Zugbrücke zur Audienz vorgelassen wurde.

Dann kam das Bezahlfernsehen. Und blieb. Inhalt um Inhalt, Fußballspiel um Fußballspiel wanderte hinter die Bezahlschranken ab und die Inhalte gewannen, nach langem Tauziehen, auch in Deutschland den Kampf gegen das Publikum dass eigentlich nicht noch mehr zahlen wollte. Es zahlt nun in immer größerer Zahl, und wer zahlt, der guckt: Mittlerweile ist die Sky-Bundesligakonferenz angekommen, angekommen in den ganz normalen TV-Quotencharts.

Nach dem Bezahlfernsehen kam dann das Web-TV. Zwar liefert das deutsche Rundfunkwesen noch das eine oder andere lustige Abwehrgefecht - aber der Trend zum eigenen Sender wird nicht aufzuhalten sein. Die großen Fußballclubs werden zu international tätigen Entertainment-Konzernen, die ihre Drehbücher selbst bestimmen wollen.

Vor einigen Jahren war ich auf einer Rundreise im Norden Thailands unterwegs. Irgendwo im Nirgendwo übernachteten wir in einem Hotel mit Dschungel-Flair weitab der Touristenströme. Vor der Veranda unseres Zimmers war eine weitläufige Wiese. Dort begannen am frühen Nachmittag emsige Aufbauarbeiten für eine große Hotelparty. Eine Bar wurde aufgebaut und eine große Bühne mit Leinwand. Mangels anderer Beschäftigungsmöglichkeiten schauten wir interessiert zu. Eine Party? Für wen? Das Hotel war groß, aber völlig leer. Die Lösung des Rätsels brachte der Abend: Immer mehr, offenkundig wohlhabende Einheimische fanden sich ein zum Ereignis des Abends- dem gemeinsamen Live-Betrachten des Spieltages der englischen Premier League. Public Viewing im Dschungel mit lecker Essen und Cocktails. Vermutlich weiß niemand im Mutterland des Fußballs von diesem Event. Aber vorausgesetzt, dass alles legal zuging, wanderten so über einen Pay-TV-Account aus dem thailändischen Dschungel ein paar Groschen in britische Clubkassen.

Nicht nur die Premiere League- auch die Schweinsteigers und Lewandowskis, FC Bayern oder Borussia Dortmund, sind international starke Marken für guten Fußball. Damit kann man weltweit Geld verdienen, viel Geld. Geld, das man wiederum braucht, für Spieler und Trainer, die in der Champions League wirklich mitspielen können.

Eine neue Möglichkeit dazu ist nun das Web-TV. Alle Bundesliga-Klubs investieren hier immer stärker in immer professionellere Auftritte. Die Fans wollen mehr und die Fans sind bereit zu zahlen. Und es gibt neue, attraktive Werbeplätze für Sponsoren und Spot-Kunden. Erstmals weltweit- fcb.tv, das FC Bayern TV, "sendet" auch in Englisch.

Neulich gewann der FC Bayern bei Borussia Dortmund mit 3:0. Mann des Tages war Mario Götze, quasi der verlorene Sohn der Dortmunder. Um den Meinungsäußerungen der Fans aus dem Weg zu gehen, wärmte sich der ehemalige Borussia-Torjäger in den Katakomben des Stadions auf, wurde eingewechselt und schoss kurz darauf das Führungstor für die Bayern.

Egal ob Tageszeitung oder Fernsehsender- nach dem Spiel wollte der Mann des Tages mit keinem Journalisten reden. Interviewen durfte ihn nur am Tag darauf ein wichtigeres Medium als Sky, ZDF oder die Bildzeitung: das FC Bayern TV.

Ob Blockbuster oder Spitzenfußball: Die Inhalte gehören zuerst einmal denen, die sie produzieren. Je mehr das Internet es ermöglicht, Zwischenhändler aller Art auszuschalten und die Inhalte direkt an die Zuschauer zu verkaufen, um so mehr werden die Herren der Inhalte diese Möglichkeiten nutzen.

Das wird eine für viele sehr schmerzhafte Entwicklung werden- nicht nur für Sportjournalisten plötzlich ohne Sport oder Sportler.

Hier für Zeitungs- und Fernsehfreunde nachträglich das entgangene Interview mit Mario Götze:

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