Das Unvermeidliche: Der Netz-TV Jahresrückblick


Das Jahr ist fast rum und es ist Zeit für den Jahresrückblick. Zwar ist auch zwischen den Jahren die Nachrichtenlage rund ums Fernsehen im Netz spannend- so zeigt Youtube zum Beispiel jetzt Videos optional sogar in 4K-Auflösung - das ist schon das, was nach dem HDTV kommt. Samsung hat pünktlich vor der CES Las Vegas im Januar einen 110 Zoll Riesenfernseher im Angebot und Rückschau ist angesagt in der Branche- 30 Jahre, man glaubt es kaum, werden die Deutschen nun schon vom Privatfernsehen unterhalten.

Dennoch ist der Jahreswechsel immer ein guter Zeitpunkt darüber nachzudenken, was denn die wirklichen Trends des Jahres waren. Die Trends, die die Richtung für Kommendes aufzeigen. Im "alten" Fernsehen gibt es den Jahresrückblick ja jetzt schon Ende November - die Branche drückt eben aufs Tempo und überholt sich dabei auch schon einmal selbst. Die nächste Bundestagswahl wird wohl in einem Frühjahr stattfinden, damit es eine neue Regierung noch in die Jahresrückblicke schafft.

"Mein Fernseher kann mehr": 2013 wird wohl als das Jahr in die TV-Geschichte eingehen, in dem eine neue Zuschauerbewegung startete. Denn bisher war es doch so: Die meisten klagen über die Qualität des Programms. Dann gehen sie nach Hause und schalten es ein. Weil das Programm immer noch nicht besser war, griff man noch mehr als bisher zu Laptop, Tablet und Smartphone und es entstand der erste Mega-Trend des Jahres, der "Second Screen".

So lange es dabei blieb, ein wenig bei Facebook herumzulungern, die Amazon-Einkäufe zu erledigen oder nach zukünftigen Urlaubszielen Ausschau zu halten, war das aus Sicht der Fernseh-Verantwortlichen ja noch halbwegs erträglich. Auch als bei "Bauer sucht Frau" oder "DSDS" die ersten Kritiker-Rudel sich unterm "Hashtag" versammelten, war die Welt noch in Ordnung. Es war zwar nicht selten beleidigend und grenzwertig, doch es traf ja nur Bauern und Möchtegern-Sänger. Seit diesem Jahr aber geht es rund bei Twitter- da reicht es schon, wenn sich eine Heute-Journal-Moderatorin und ein SPD-Politiker im Live-Interview ein wenig anzicken.

Wenn dem Publikum dann auch noch ein erbärmlich schlechter Film als "Event" verkauft werden soll, wie bei RTL mit "Helden- Wenn Dein Land Dich braucht", dann geht es seit diesem Jahr richtig los. "Shitstorm" ist angesagt, und es bleibt nicht bei Twitter oder Facebook. Die Sturmwellen rollen aus dem "Second Screen" direkt in die klassischen Nachrichten, nicht nur im Fernsehen, sondern bis in die BILD-Zeitung oder ins Radio. Am schlimmsten wird es, wenn das Publikum einstigen Favoriten die Liebe entzieht. Enden tut es dann mit weinerlichen Klage-Interviews und Beschwerden übers Publikum von WettenDass - Regisseuren oder Moderatoren. Es wird ihnen nichts nützen. Da tobt eine Meute, da draußen, und ihr Jagdinstinkt ist erwacht.

Zur CES in Las Vegas im Januar wird der "Second Screen" ein Hauptthema sein- man fragt sich bereits, ob der Second Screen nicht bald zum "First Screen" mutiert. Denn aus Sicht der Medienmacher und vor allem der Werber ist der "First Screen" nicht unbedingt der größte Screen im Wohnzimmer, sondern der Bildschirm, der die Haupt-Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich ziehen kann. Der zweite Mega-Trend des Jahres- das ist das neue Fernsehgerät selbst. Die Branche der TV-Gerätehersteller leidet unter Überkapazitäten. Wie sonst nur noch im Tablet-PC und Smartphone-Bereich hat ein unglaublicher Preis- und Innovationswettbewerb eingesetzt. Wenn Sie lange nicht mehr im Elektronik-Fachmarkt waren, gehen Sie mal gucken. Neulich habe ich dort den ersten "Curved UHD-TV" gesehen, mit 55 Zoll Bildschirm, das sind 138cm. Dort wurde echtes UHD-Material gezeigt, eine Steilküste am Meer, an der sich die Wellen brachen. Kein Witz: Bei optimalem Bildabstand ist das der erste Fernseher auf dem sie die Natur schärfer und deutlicher sehen können als im Original.

"4K", der nächst höhere Bild-Auflösungs-Standard nach HDTV, wird 2014 ein Hauptthema werden- und erstmals laufen die klassischen Fernsehsender Gefahr, beim Wettlauf um das beste und schärfste Bild gegen das Internet-Streaming zu verlieren. Ja, gegen das Internet-Streaming, das bisher ja eigentlich nicht wegen herausragender Bildqualität beim Nutzer punkten konnte. Aber die klassischen Fernsehsender sind noch dabei, die Investitionen für HDTV zu verkraften. Zwar gibt es erst wenige Haushalte mit für 4K ausreichender Internet-Bandbreite. Aber da, wo das Highspeed-Netz schon ist, kann man dann wie oben bereits erwähnt Youtube-Videos in 4K empfangen. Auch Amazon verspricht ja demnächst 4K - Produktionen zu streamen und Netflix hat neben dem Deutschland-Start ebenfalls die ganz ganz vielen Pixel versprochen. Im Januar wollen sowohl Samsung als auch LG auf der CES in Las Vegas Curved-UHD-TV mit 105 Zoll-Bildschirm und 21:9-Format zeigen. Dass ihr neuer Fernseher noch schärfer, noch größer, noch intelligenter wird und das zu einem günstigeren Preis- dieser erfreuliche Trend wird erst einmal bleiben.

Der dritte Trend: Auch wenn die Rundfunkgebühr in gut einem Jahr vielleicht ein paar Cent sinken sollte- was nicht billiger wird, ist gutes Programm für die tollen neuen Fernseher. Denn die Rundfunkgebühr ist ja nur ein Anfang. Viele müssen dazu noch den Kabel-TV-Anbieter bezahlen, um etwas empfangen zu können. Und auch dann ist noch lange nicht Schluss. Die Privaten hätten gern einen kleinen Obolus, damit man gefühlt 30-minütige Werbeblöcke wenigstens in schärferem HDTV sehen kann. Sky ist es tatsächlich gelungen, Pay-TV in Deutschland zu etablieren - für echte Fußballfans ein Angebot, das man nicht ablehnen kann.

Und nun kommen mit Watchever, Lovefilm und demnächst wohl auch Netflix die Streamingdienste ins Haus, welche gegen eine weitere monatliche Abonnementgebühr mit attraktiven Serien und Filmen auf die Bildschirme wollen.

Falls Sie den Überblick verlieren: Macht nichts- wird alles automatisch abgebucht. Irgendeinen Trend vergessen? Bestimmt. Spielkonsolen, Cloud und Breitband allgemein, Chromecast, Apple, Google TV und interaktive Werbung, und, und, und...

Das Netz-TV 2014 wird spannend.

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