Hangout im "SchlandNet": Risiken und Nebenwirkungen deutschen Internets.

Screenshot: google.com
Was haben die "Digitalen" hier im Land gelacht, als Telekom-Chef René Obermann vor einigen Wochen beim "Sicherheitsgipfel" von Deutscher Telekom und Münchener Sicherheitskonferenz in Bonn für eine nationale und europäische Abschottung des Internets plädierte. Einige wollten sich bereits als "Internet-Grenzbeamte" bewerben. Als der Vorschlag dann bei vielen technisch ahnungslosen, aber für Gesetze zuständigen Politikern auf viel Wohlwollen traf, blieb einigen das Lachen wohl im Hals stecken. Mario Sixtus war es, der als erster im "Tagesspiegel" darauf hinwies, dass dies ein Internet nach chinesischem oder iranischen Vorbild bedeuten und Datenschutz auch nicht gewährleisten würde- dafür aber den Weg für ein einträgliches Telekom-Monopol freimachen könnte.

Dabei ist das SchlandNet in manchen Bereichen längst Realität. Zum Beispiel beim LiveStream- weltweit und global mittlerweile ein völlig normales Alltagsding. In Deutschland muss man da aber aufpassen. Wer für mehr als 500 Zuschauer gleichzeitig livestreamt, kann zum "Rundfunk" werden und ist dann lizenzpflichtig. Dieser Unsinn stammt gedanklich aus den Zeiten von Kurzwelle und Schwarzweiß-Fernsehen. Damals war das Verbreiten von Informationen auf elektronischem Wege Staatsangelegenheit und blieb denjenigen vorbehalten, die behördlicherweise dafür lizensiert waren. Das führt nun - Schlandnet sei Dank - heute, in ganz anderen Zeiten, immer wieder zu Problemen. Zum Beispiel, dass Youtube sein umfangreiches Live-Angebot in Deutschland so nicht zeigt. Oder die Sache mit dem "Hangout".

"Google Hangouts" ist im Prinzip eine Weiterentwicklung des seit "Skype" immer beliebter werdenden Video-Telefonierens. Wer bei Google+ ist, kann mit anderen dort ein Video-Telefonat starten. Das Neue bei Hangout: Es gibt das Videotelefonat auch als Telefonkonferenz. Also mit mehreren. Und das Allerneueste: Man kann diese Videotelefonkonferenz für alle im Netz öffentlich sichtbar machen. Das heißt dann "Hangouts on Air". Sogar dauerhaft sichtbar- nach Beendigung wird eine Aufzeichnung als Video auf  Youtube zur Verfügung gestellt.

Tjaa... und wenn die Beteiligten dann zum Beispiel Experten sind, die sich über Politik und Wirtschaft austauschen, dann hat man seine eigene Talkshow. Bei der dann möglicherweise mehr als 500 zugucken.

Gehangoutet wird nun immer mehr, überall und zu den verschiedensten Themen- es kostet ja nichts, und an Lizenzen von Landesmedienanstalten denkt kein Mensch. Kaum einer kommt von selbst auf die Idee, dass so etwas Gesetz sein könnte. Da es unter Millionen von Hangouts kaum einen gibt, der Gefahr läuft, mehr als 500 Zuschauer gleichzeitig zu haben, ist auch erst einmal alles okay. Aber niemand weiß bei diesem Internet wirklich vorher, wie viele zugucken. Theoretisch kann jeder, der einen Hangout startet, ohne eigenes Zutun zum Gesetzesbrecher werden- nur weil zu viele zugucken.

Privatleuten ist das in der Regel egal. Wer aber universitär forscht und gar vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert wird, kann so ein Risiko nicht eingehen. So gibt es nun den wohl ersten bekannten Fall eines Lizenzantrages für die Nutzung von Google-Diensten bei einer Landesmedienanstalt...

Gremien werden tagen und beschließen, Zeit wird vergehen, Kosten werden anfallen- nur weil jemand rechtssicher kostenfreie Google-Dienste nutzen will.

"Der Hessisches Telemedia Technologie Kompetenz-Center e.V. hat bei der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen) die Zulassung für das Spartenprogramm eBusiness‐Hangout (Arbeitstitel) beantragt. Geplant ist ein journalistisch-redaktionell gestaltetes Programm, in dessen Rahmen mindestens ein- bis zweimal im Monat eine moderierte Diskussionsrunde übertragen werden soll. Daneben ist u. a. beabsichtigt, Live-Berichte von Konferenzen und Veranstaltungen zu senden. Das geplante Programm steht in Zusammenhang mit dem Projekt „eBusiness Lotse Darmstadt Dieburg“, einem Kompetenzzentrum für kleine und mittelständische Unternehmen. Das Projekt ist Teil der Förderinitiative „e-Kompetenz-Netzwerk für Unternehmen“ und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert. Das Programm eBusiness‐Hangout soll ausschließlich über das Internet verbreitet werden. Geplant ist eine Übertragung als Live-Stream über den Video-Chat-Dienst „Hangout on Air“ des sozialen Netzwerks „Google+“ der Google, Inc. Die jeweiligen Hangouts sollen als öffentliche Live-Übertragung für alle Nutzer freigegeben werden. Im Anschluss daran sollen die Videostreams über das YouTube-Konto des Antragstellers und auf den Projektinternetseiten auf Abruf zur Verfügung stehen." Quelle hier zu finden

Lizenzen für Videotelefonieren in der Öffentlichkeit. Das wird toll. Die Forscher beschäftigen sich übrigens mit der Zukunft der Telemedien. Die aus unverständlichen Gründen überall stattfindet- nur nicht in Deutschland.

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