BILDplus Bundesliga: Wir zeigens den Internetschnorrern- einen Tag später

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Schneller als gedacht gibt es neue Anzeichen, dass der vom Axel-Springer-Verlag im Juli mit viel Aufsehen gestartete Versuch, mit Hilfe von Bundesliga-Web-TV und teuer eingekauften Rechten für Highlight-Videos endlich eine Bezahlschranke für das Internet-Angebot der BILD-Zeitung zu etablieren, wohl nicht so läuft, wie erhofft.

Schon bei der Vorlage der Springer-Quartalszahlen vorige Woche gab es Anlass zu derartigen Vermutungen. Wenn BILD+ nicht zum Erfolg geführt werden kann, ist das dramatisch- nicht nur für den Axel-Springer-Verlag, der mit der reinen Kaufzeitung "BILD" vom Abwandern der Zeitungsleser ins Internet noch stärker als die Abonnement-Zeitungen betroffen ist, und nicht zuletzt wohl deshalb den Ausbau des digitalen Geschäfts besonders intensiv vorantreibt. Es stärkt auch in allen anderen Zeitungsverlagen die Position von früh ergrauten Bedenkenträgern in noch graueren Anzügen, die ja schon immer gesagt haben, dass größere Investitionen in dieses digitale Zeug sinnlos sind und man sich auf das Kerngeschäft, "das das Geld verdient", konzentrieren solle. Bedrucken von Papier eben.

Wenn ein wichtiges Projekt nicht so läuft wie geplant, empfiehlt das Projektmanagement-Lehrbuch als ersten Schritt die Suche nach den Gründen. Eine mögliche Methode Gründe zu finden, die nicht sofort klar ersichtlich sind, ist das Experiment. BILD+ experimentiert- mit dem Premium-Inhalt, der extra angekauft wurde, um beim Internetuser die berühmt-berüchtigte "Kostenloskultur" zur Erosion zu bringen und ihn zum Abonnement zu bewegen- mit den Bundesliga-Fußballvideos.

Seit dem die Verlage mit ihren ersten reinen Abonnement-Angeboten im Internet nur den Verlust der Online-Werbeeinnahmen erreichten, da die User einfach woanders hingingen, sind nun die sogenannten "Freemium-Modelle" en vogue. Man darf eine Anzahl Artikel lesen und soll dann bezahlen, wenn man noch mehr will. Dummerweise sind die meisten, die sich viel informieren, wiederum gebildet- und in der Lage, einen Browserverlauf zu löschen. Also gibt es jetzt meist das andere Freemium-Modell- man unterteilt die Inhalte in interessant und weniger interessant, und vermeintlich interessant soll dann kosten. Bundesliga-Tore sind besonders dann interessant, wenn sie gerade geschossen wurden. So wurden die Bundesliga-Videos vom Wochenende bisher Montag früh 0 Uhr freigeschaltet. Das Alter macht den Unterschied zwischen interessant und weniger interessant- es war der Kompromiss, der die Einnahmen aus Abonnement und Online-Werbung insgesamt optimieren sollte.

Diese Woche gab es die Videos als Experiment 24 Stunden später. Sozusagen als gelbe Karte an die Fans mit der Aufschrift "abonniert!! endlich!!". Ob das funktioniert? Kunden sind wie Kinder. Nimmt man ihnen einen Schokoriegel weg, den sie schon in der Hand hatten, stampfen sie mit dem Fuß auf und reagieren bockig.

Der Lernprozess bei den Verlagen wird weitergehen. Internet wird auf Bildschirmen ausgeliefert. Zwar in sehr verschiedenen Größen, aber immer auf Bildschirmen. Auch die Bildschirme sind ein Markt, ein Markt auf dem Bewegtbild-Angebote am beliebtesten sind und viele Anbieter auch Bundesliga-Bilder im Angebot haben. Bewegt und sogar in HDTV, demnächst vielleicht UHD-TV. Es hat in Deutschland fast 20 Jahre und viele versenkte Investitionsmillionen gebraucht, bis ein erster Anbieter damit Geld verdiente.





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