Shitstorm (2) SPIEGEL.TV - Hunde, wollt ihr ewig leben?



Okay, mag der Spiegel.TV- Redakteur gedacht haben: In Vietnam werden sie gegessen. Schon bei Wilhelm Busch gab es ja böse Hundefänger, die dies auch taten und den fetten Hund Schnick von Fräulein Ammer dahinschlachteten. Und in Rumänien fangen sie die jetzt weg- angeblich, weil ein Kind durch sie zu Tode kam. Routine-Thema. Falsch gedacht...

Allein in der rumänischen Hauptstadt Bukarest sollen mehr als 65.000 Straßenhunde leben. Als der Diktator Ceausescu einst ganze Stadtviertel mit kleinen Häusern, Höfen und Gärten platt machen ließ, um ihre Bewohner in die lichte sozialistische Zukunft schon bei Errichtung verwahrloster Plattenbauten umzusiedeln, sollen die Ahnen der heutigen Straßenhunde obdachlos geworden sein. Danach hatte sich lange niemand um das Problem gekümmert. Die Hunde kümmerten sich selbst um ihr Überleben- und ihren Nachwuchs.

Jetzt gibt es ein neues Gesetz in Rumänien, welches Hundefreunde und Tierschützer in aller Welt ziemlich wütend macht- ein Gesetz, das die Tötung der Straßenhunde legalisiert. Hundefänger sind auf den Straßen Bukarests unterwegs. Straßenhunde, die nicht schnell genug die Kurve kriegen, haben schlechte Karten. Wer innerhalb von zwei Wochen nicht in der Fangstation abgeholt wird ist des Todes. Im Regelfall sind das nicht die "Problemhunde".

Darüber hat Spiegel.TV nun einen Bericht gemacht. Wie sie die Hunde fangen. Weil der vierjährige Junge nun tot ist- und weitere Kinder in Gefahr seien. Die Zeiten von Wilhelm Buschs Hundefänger sind in Deutschland aber vorbei. Damit hatte Spiegel.TV nicht gerechnet. Nicht wenige bezeichnen ihren Vierbeiner heute als den besten Freund des Menschen. Und: wer Hunde mag, und das sind sehr viele, mag derzeit Rumänien gar nicht.

Die Folge war ein Facebook-Shitstorm für Spiegel.TV, der sich gewaschen hatte. Und mancher liebe Haushund hätte sicher Angst vor Herr- oder Frauchen, wenn er denn Facebook-Kommentare lesen könnte.

Das ganze zieht sich jetzt schon über mehrere Threads mit teils vierstelligen Kommentarzahlen. Auch ein wenig hilflose Bemühungen um Einhaltung von Anstandsregeln halfen nicht wirklich:



Gestern Abend wurde bei Spiegel.TV dann noch einmal nachberichtet. Über Facebook-Kommentare und noch einmal zum Fall des getöteten Jungen. Es bleibt weiter spannend.

Auf jeden Fall brauchen Fernsehsender im Internet wohl bald einen Shitstorm-Experten. Nicht immer lässt sich vorausahnen, welche Emotionen ein Thema beim Publikum weckt.

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