Loewe AG: In Schönheit sterben? (2)

Loewe auf der IFA 2013 Foto: IFA Berlin
Das Drama von Kronach geht in die nächste Runde. "Das Schutzschirmverfahren ist nahtlos in ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung übergegangen", so die Nachricht von heute. "Nahtlos"- das klingt irgendwie normal und beruhigend. Über den eigentlichen Grund der Misere, Loewe ist ein TV-Gerätehersteller ohne eigene Bildschirme, haben wir ja schon berichtet und dafür auch Kommentar-Prügel bezogen.
Dabei hätte man es wissen müssen, in Kronach. Einst wurde Loewe schon einmal gerettet. Man hatte zu lange auf die klassische Bildröhre gesetzt.
Immerhin hat das Insolvenzgericht in Coburg das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung bestätigt. Der Geschäftsbetrieb geht erst einmal weiter.

In den letzten Tagen seien mehrere schriftliche Kaufangebote ("letter of intent") eingegangen, die das zuvor bereits mündlich bekundete Interesse von Investoren an einem Einstieg in die Loewe AG dokumentierten.
Laut dem Loewe Vorstandsvorsitzendem Matthias Harsch "zeigen die Investoren mit diesen Absichtserklärungen, dass Loewe mit der strategischen Neuausrichtung des Unternehmens vom TV-Gerätehersteller zum führenden Premium-Anbieter von Smart Home Entertainment Lösungen auf dem richtigen Weg ist."

Mit Investoren ist das so eine Sache. Ich habe zum Beispiel ein neues Telefon- von Grundig. Das ist vor allen eines: Billig. Der einst stolze deutsche TV-Markenname Grundig ist mittlerweile in der Türkei gelandet. Da pappt ihn eine Firma auf chinesische Billigsttelefone, weil sie die dann 10 Cent teurer als so verkaufen können. Droht Loewe das gleiche Schicksal? Was, außer dem Namen, könnte die Loewe AG einem Investor für sein Geld bieten?

Auf der IFA 2013 waren Samsung oder LG mit Premium-TV-Geräten einer ganz neuen Technologie-Generation vertreten. Einer Technologie-Generation, die Loewe noch gar nicht erreicht hat. In die, um sie zu erreichen, investiert werden müsste. In Entwicklung, in Fertigungslinien. Viel Geld, das Loewe nicht hat. Erfolgsaussichten: Begrenzt- die Großen investieren gerade schon wieder in die nächste Generation.

"Smart Home Entertainment Lösungen" sollen die Rettung sein. "Digital Lifestyle"  heißt das dann...
Meine Übersetzung: Man will heiße Luft verkaufen, weil man sonst nichts mehr hat. Kern des Veränderungsprozesses sei der Wandel "vom TV-Produzenten zum Systemanbieter einer Entertainment-Plattform" vor dem Hintergrund einer sich stark verändernden Medienlandschaft. "Lineares Fernsehen, Internet, Video-on-Demand Services und eigens erstellter Content verschmelzen zu einem Entertainment-Angebot, was es in Zukunft einfach zu managen gilt", so Matthias Harsch. "Wir werden uns daher zum führenden Premium-Anbieter von Smart-Home-Entertainment Lösungen entwickeln."

Bin sehr gespannt auf den Investor. Immerhin will Herr Harsch mit seiner Hilfe "führend" sein. Bei einem Produkt, das gerade andere Mittelständler wie Google, Apple, Microsoft, Samsung, Sony, LG (hab ich alle?) als wichtigstes Zukunftsgeschäft entdecken und ihre Forschungs- und Entwicklungskapazitäten sowie nicht zuletzt den Inhalt ihrer riesigen Geldspeicher in Form von Investitionen genau darauf konzentrieren?

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