GoogleTV wird abgewickelt. Oder?

Screenshot: GoogleTV

Für mich heute die Nachricht des Tages: GoogleTV soll so wie bisher nicht fortgeführt werden, whispert das Silicon Valley. Oder genauer: Niemand will "GoogleTV" mehr "GoogleTV" nennen. Android-TV soll es in Zukunft heißen und weniger ein eigenes TV-Angebot als ein Betriebssystem für Fernsehgeräte sein.

Online gibt es GoogleTV im Moment noch. Aber das Gerücht macht Sinn.

Schon zur Google I/O im Mai musste GoogleTV die Rolle des ungeliebten Party-Gastes spielen, bei dem nur vergessen wurde, ihm zu sagen, dass er wegbleiben soll. Das damals schon eigentlich fällige Update der Plattform vom technisch veralteten Android 3.2 "Honeycomb" auf das aktuelle "JellyBean" wurde "für die nächsten Monate" angekündigt, blieb aber bis auf ein Demo-Video von LG, welches zeigt, wie es sein könnte, bis heute aus.

Zu den Zeiten der nicht unbedingt positiv, aber trotzdem legendären Logitech Set-Top-Box, das ist jetzt zwei Jahre her, hatte ich ja schon Zweifel, ob der Konsument wirklich noch ein weiteres Zusatzgerät unter den Fernseher stellen will. Sind ja alle nicht sonderlich schön, die Dinger, stauben ein und kosten Nerven bei Installation und Einrichtung. Und die US-Fernsehsender, die sich damals noch gegenüber dem Internet in einer Position der Stärke sahen, blockierten ihren Inhalten weitestgehend den Zugang auf GoogleTV- auf dem dortigen Fernsehmarkt gelten eigene Regeln. Die Kabelkonzerne sehen sich durch die "Cordcutter" bedroht, die nicht mehr so viel Geld für Fernsehempfang zahlen wollen. Wenn dann noch irgendein "Google" daher kommt, und freien Zugang per Internet zu TV-Inhalten anbieten will, ist die Begeisterung bei den Fernsehsendern, die dort im Gegensatz zu Deutschland viel Geld von den Kabelfirmen für ihre Inhalte bekommen, naturgemäß gering. Wer ein etabliertes Geschäftsmodell in Frage stellt, bei dem viel Geld verdient wird, sollte nicht auf Mithilfe der Betroffenen bauen.

Hat Google das Fernsehen nun aufgegeben? Das glaube ich nun nicht. Eher glaube ich das Gegenteil. Die ursprüngliche gute Idee "GoogleTV" wurde nur durch den rasanten technischen Fortschritt obsolet. Die neue Bezeichnung "Android TV" weist den Weg. Mit dem kürzlich auf den Markt gekommenen "Chromecast"-Dongle wurde ein erster Erfolg erzielt, der selbst Google überrascht hat. In den USA über viele Wochen ausverkauft, von InternetTV-Freunden sehnlichst erwartet, ist das Ding in Deutschland immer noch nicht angekommen. Wenigstens die Amerikaner bekommen damit schon jetzt, was sie wollen- Chrome als Browser, die Verbindung zum "Second Screen" Tablet oder Smartphone und damit die Freiheit, Inhalte die ihnen im Netz gefallen, unkompliziert auf dem "großen" Bildschirm anschauen zu können. Und das ganz ohne nervige, hässliche Box mit vielen Kabeln- das kleine Ding steckt in der TV-Rückwand, kostet fast nichts (35 US-Dollar) und funktioniert einfach. Niemand braucht mehr TV-Fernbedienungen mit Schreibmaschinentastatur und ähnlichen Nonsens.

Google wird diesen Weg weitergehen und versuchen, den Smartphone- und Tablet-Erfolg des Betriebssystems Android ganz einfach bei den TV-Geräten zu wiederholen. Und das ist aussichtsreich: Die oftmals in den weitgehend verunglückten, eigenentwickelten Smart-TV-Software-Plattformen verstrickten TV-Herstelle brauchen ein Betriebssystem- eigene Weiterentwicklungen sind teuer und der Preiskampf auf dem Markt für TV-Geräte ist unglaublich hart. Da kommt ein kostenloses Betriebssystem gerade recht. Android ist das Pferd, das Google doch nach Troja bringen wird. Wer Widerstand leistet, bekommt einen Dongle eingesteckt.


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