Glasfaser für alle- brauchen wir das Gigabit-Netz ?

Die Quelle von Multimedia ist grau- nicht bunt. Foto: Telekom
Eigentlich tut sie ja was, die viel gescholtene Telekom. Jedenfalls hört sich das Ganze viel besser an als noch vor einigen Jahren. Ob freiwillig, ob der Druck der Kabel-TV- Konkurrenz wirkt oder die Politik bessere Infrastrukturen anmahnt- der Grund oder die Gründe sind erst einmal egal, entscheidend ist die Zahl der Bits die ankommen und wie schnell sie das tun.

Das deutsche Internet ist vor allem langsam und langsam, quälend langsam, zu langsam aber vielleicht langsam wohl doch dämmert anscheinend auch bei dem einen oder anderen Verantwortlichem in der Politik die Erkenntnis, dass Internet vielleicht doch mehr als ein eigentlich überflüssiger Spassfaktor ist, der die ordentlich-deutsche Industriegesellschaft vom Bau toller Maschinen und Autos ablenkt. Dass das Internet und dessen Geschwindigkeit vielleicht sogar die im Konkurrenzkampf entscheidende Infrastruktur der Industrie des 21. Jahrhunderts sein könnte. Jedenfalls tut sich was- bei der Telekom gibt es ja jetzt zum Beispiel die Netzoffensive. 24 Millionen deutsche Haushalte soll so bis 2016 zumindest gebremst Anschluss ans Glasfasernetz ermöglicht werden. Gebremst nur noch durch das "Vectoring"- eine Technik, die den normalen Kupferdraht-Hausanschluss auf Touren bringt. Denn eigentlich wäre "FTTH" die beste technische Lösung. FTTH ist die Abkürzung für Fibre To The Home, also eine durchgehende Glasfaser vom Datenzentrum bis in die Wohnung. Mit Vectoring kann die Glasfaser im "grauen Kasten" auf der Straße enden und trotzdem können bis zu 100 Mbit pro Sekunde aus dem Router kommen. Reicht das? Warum wieder nur die zweitbeste Lösung?

Natürlich, es geht wie immer ums Geld. In einer aktuellen, im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie erstellten Studie hat die TÜV Rheinland Consulting GmbH die Kosten des Highspeed-Ausbaus für Deutschland durchgerechnet. Danach entstünden Kosten in Höhe von etwa 20 Milliarden Euro um 100% aller Haushalte mit mindestens 50 Mbit/s zu versorgen, bei Einsatz von Vectoring bzw. Mobilfunk-LTE für die entlegenen Gehöfte. Von diesen 20 Milliarden würden interessanterweise allein 8 Milliarden für die letzten 5% der Anschlüsse fällig, für 95% aller Haushalte würden also 12 Milliarden reichen. Das ist zwar immer noch viel Geld- aber ob man für eine solche Summe in Berlin einen Flughafen bauen kann, ist noch nicht bewiesen. Ohne Vectoring würde der Gesamtausbau schon 28 Milliarden kosten. Die Kosten für einen flächendeckenden FTTH-Ausbau wurden mit 85 bis 94 Milliarden veranschlagt- je nach Leitungsführung, Technologie und Eigenanteil bei der Grundstückszuführung.

Das ist richtig viel Geld. Aber vielleicht sollte man dennoch darüber nachdenken. Nicht nur für die Fans des Internetfernsehens, welche schon auf UHDTV hoffen, das bei Internet-Streaming auch die Vectoring-Anschlüsse schon wieder überfordern dürfte. Es geht doch gerade erst los- immer mehr Geräte, nicht nur Fernseher, auch Autos, Hausheizungen oder Stromzähler finden Internetanschluss- die Datenmengen steigen in sehr dynamischen Statistik-Kurven und der Ausbau der Infrastruktur muss endlich von der Verwaltung des Mangels in die Investitions-Offensive umschalten. Nur so kann Deutschland auch ein führendes Industrieland des 21. Jahrhunderts sein.

Google betätigt sich unter dem Namen "Google Fiber" in einigen US-Städten auch beim Netzausbau für die Endkunden- sicher, um experimentell Erfahrungen zu sammeln. "Google Fiber" ist ein FTTH-Glasfasernetz, die Übertragungsrate ist bis zu 1 Gigabit pro Sekunde. Über die gesammelten Erfahrungen sprach diese Woche Kevin Lo, der Generalmanager des Projekts auf dem "Broadband World Forum" in Amsterdam.

"Es gibt eine riesige Nachfrage der Verbraucher nach schnellerem Internet", so Kevin Lo. Das Ziel sei, die Verbraucher wie Unternehmer mit Highspeed-Breitband zu versorgen. "...sie werden dann Gigabit-Anwendungen bauen, die wir uns an dieser Stelle nicht einmal vorstellen können."

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