"Digital Product Placement"- nie wieder Werbepause, da pausenlos Werbung...

Naja. Wer schon einmal genauer hingeguckt hat, wie heute moderne Blockbuster gedreht werden, hätte es eigentlich ahnen müssen. Gerade ist ja das Weltraumdrama "Gravity" in die Kinos gekommen. "Unser Set hätte auch als bizarre Kunstinstallation durchgehen können", so Regisseur Alfonso Cuarón im Spiegel-Interview. Wahrscheinlich haben Sandra Bullock und George Clooney außer jeder Menge Blue- oder Greenscreen-Folien während der Dreharbeiten nichts gesehen.

Schauspieler müssen heutzutage auf sich allein gestellt im Nichts agieren können- umgeben nur von einfarbigen Hintergründen, auf die die digitalen Zauberer am Power-Rechner nachträglich dann die eigentlichen Filmwelten zaubern.

John Wayne durfte noch durch richtige Städte im Wilden Westen reiten. Zumindest aber durch große Sperrholzwände, die so wie Städte aussahen, wenn man von der richtigen Seite draufguckte. Selbst für "StarWars" gab es für viele Szenen noch richtige Kulissen, deren Reste man in Tunesien bewundern kann. Mit dem rasanten Fortschritt der digitalen Fantasiewelten wurde das immer weniger.

Jetzt wird es richtig ernst. Die Werber haben die technischen Möglichkeiten begriffen. Der Medienvermarkter IP Deutschland erweitert sein "Special Ads-Angebot" um "Digital Product Placement". Erster Werbekunde ist Nissan.

Anders als beim klassischen Product Placement werde das Produkt des Werbekunden nicht während der Dreharbeiten in das Format integriert, sondern in die fertige Sendung digital eingefügt, schwärmt die Pressemitteilung des RTL-Medienvermarkters. Die Möglichkeiten seien vielfältig- vom Plakatmotiv im Hintergrund der Handlung, über eine LKW-Aufschrift bis hin zu einem Prospekt auf dem Tisch. "Die hohe Qualität der Umsetzung garantiert eine realistische Darstellung des Produkts als Requisite am Set und sorgt damit für maximale Aufmerksamkeit", erklärt Lars-Eric Mann, Verkaufsdirektor Solutions bei IP Deutschland. Der Kunde kann sich mögliche Szenen zuvor ansehen und entsprechend der Sekundenläge, Form und Location genau die auswählen, die perfekt zu seinem Produkt passen. "Die unkomplizierte Auswahl der Szenen lässt auch eine kurzfristige Abwicklung unabhängig vom Drehstart einer Produktion zu- das ist gerade bei fiktionalen Formaten ein großer Vorteil", so Lars-Eric Mann weiter.

In vier Folgen der RTL-Actionserie "Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei" werden jetzt digitale Placements integriert. Nachträglich. Mit dem Thema dass es jetzt den neuen Nissan Note gibt...

Ich hoffe, zumindest die ganz großen Filmemacher haben sich einen Werksschutz beim Verkauf von Senderechten zusichern lassen... So oder so wird bei Bones sicher demnächst eine Tüte Knabbergebäck auf dem Anatomietisch liegen. Mr. Monk wird original Tempo-Taschentücher benutzen. Übertreibt es aber nicht wieder, liebe Privatfernsehmacher. Spätestens wenn bei Captain Kirk eine Kiste Krombacher unterm Chefsessel steht, schwöre ich, ist Schluss mit lustig.

Kommentare

Aktuell meist gelesen: