Live gegen den "Rest des Fernsehens"- DIE WELT geht zur Bundestagswahl auf Sendung

Schritt für Schritt wird ein Konzept sichtbar: Die Bundesliga im Video bei BILD. Regionalzeitungen? Zeitschriften? Weg damit an die Funke/WAZ-Gruppe - Papier bedrucken war gestern. Die Zukunft ist digital. Digital ist auf Bildschirmen. Auf Bildschirmen laufen die Bilder- Texte sind da nur Beiwerk.
So mag man bei der Axel Springer AG gedacht haben- und Spock, der alte Vulkanier, würde dazu sagen: Das ist logisch.

Das Nachrichtenmedium der Zukunft ist TV. Nur TV- und sonst nichts. Denn die Abkürzung "TV" steht für "Television". Das heißt erst einmal "Tele", aus dem griechischen, zu deutsch "fern" und "Vision", aus dem lateinischen- das bedeutet in etwa "Anblick" oder "Erscheinung". Das dort am Abend um 20 Uhr die Tagesschau erscheinen muss und einmal im Monat am Samstag Abend "Wetten dass" ist damit genauso wenig festgelegt wie ein "Empfang" fester "Programme".

Foto: Axel Springer AG
Das neue Medium kann aber zur zunehmenden Konkurrenz nicht nur für die alten Papiermedien werden. (Wozu heute lesen, was gestern war- wenn man gestern schauen konnte, was ist?)
Die etablierten TV "Programme" werden bald ebenfalls unter Konkurrenzdruck geraten- und das nicht nur beim allseits beliebten Medientanz ums (werbe)goldene (Fußball)Kalb.

Ein erstes Beispiel will am Sonntag nun die Tageszeitung mit weniger Großbuchstaben aus dem Hause Axel Springer zeigen. Denn da ist Bundestagswahl. Ab 17 Uhr lädt "DIE WELT" zur langen "Stuckrad-Barre-Wahlnacht" auf welt.de.

Und zwar als Web-TV. Während der Rest der deutschen Zeitungsmacher in der Provinz nach wie vor Papier druckt, Papier denkt (denn nichts anderes ist die landauf, landab zu beobachtende "multi/crossmediale", also alberne, "live"-twittertickerei - Manie), währenddessen also macht Springers "WELT"- Fernsehen. Dafür gibt es nun schon ein "Axel-Springer-Bewegtbild-Studio", aus dem heraus, so verspricht die Pressemeldung, ein staunendes Deutschland erleben wird wie "Stuckrad-Barre die Wahlnacht revolutioniert."

Das ganze ist eine Produktion der "Mont Ventoux Media GmbH", die wiederum das Ergebnis einer gerade erst gestarteten Kooperation von Springer mit Ulmen.TV ist. Die natürlich in Zukunft noch mehr zeigen soll.

Das Programm für den Bundestagswahl- Abend klingt zumindest schon einmal vielversprechend. Also wenn Henryk M. Broder live per Skype von der AfD-Wahlparty berichtet, Helmut Berger das im Studio als Stimme des Auslands kommentiert und dazu "Welt"-Kolumnist als Außenreporter durch Oberursel streift wird mich das wohl weglocken von ewig gleichen, nichtssagenden "Elefantenrunden", Interviews mit zweiprozentweniger-Siegern oder ewig emporwachsenden Säulen- und Sitzverteilungstortendiagrammen.

Was ist das dann? Die Welt? Fernsehen? Wen interessiert das? Es ist nur ein weiterer Blick auf das Massenmedium der Zukunft. In der Ankündigung heißt es "Benjamin von Stuckrad-Barre gegen den Rest des Fernsehens". Das ist als Gag gemeint. Noch.

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