IFA (5) und Schluss: Was bleibt? Eine Armbanduhr. Und UHDTV...

Foto: IFA/Panasonic Deutschland GmbH
Hey, alles glänzt, so schön neu.
Hey, wenn's dir nicht gefällt, mach neu.
Die Welt mit Staub bedeckt, doch ich will sehn wo's hingeht
Steig auf den Berg aus Dreck, weil oben frischer Wind weht.
Hey, alles glänzt, so schön neu....

So hört man es bei Peter Fox in seinem genialen "Alles neu"- und so wäre wohl die IFA 2013 auch gern gewesen. "Aussteller und Händler kehren trotz der Unsicherheiten in den weltweiten Märkten zuversichtlich von der IFA zurück. Insbesondere in den Schlüsselbereichen TV, Telekommunikation und Elektrohausgeräte wurden die Erwartungen der Hersteller auf der IFA deutlich übertroffen." So hört man es in der offiziellen Presserklärung der IFA zum Ausstellungsende.

Okay, von Samsung gab es eine wirklich neue Armbanduhr für Internetsüchtige.
Und die Fernseher waren größerschöner und bunter als früher.
Die Telekom versprach mehr Glasfasern für Deutschland. Aber eigentlich war es wie immer. Nicht einmal eine neue Besucherzahl gab es, mit 240.000 kamen in etwa ziemlich genau so viele Besucher wie im vergangenen Jahr.

Vielleicht ist die ewige Warterei der Technik-Junkies auf das ganz große "One more Thing" irgendwie auch albern. "Im Bereich Elektrohausgeräte, der von der IFA weiteren Schwung erhielt, erwarten die Marktteilnehmer in diesem Jahr einen deutlichen positiven Umsatzverlauf." Also Waschmaschinen und Kühlschränke werden gebraucht, das ist doch schon einmal was. Und Fernsehen? "Im TV-Bereich standen die Smart TVs mit ihrer vielseitigen Funktionalität und Vernetzungsmöglichkeiten im Fokus und wurden sehr gut geordert. Darüber hinaus begeisterten die neu eingeführten UHDTV-Geräte mit ihrer überzeugenden Bildschärfe die Konsumenten."

UHDTV, das wird schwierig. Zwar gibt es schon jede Menge tolle UHDTV-Fernsehgeräte, vereinzelt, aber zunehmend auch bezahlbare- aber kein UHDTV-Programm. Beim parallel zur Funkausstellung laufenden Kongress "medienpolitik@IFA" hieß es zumindest schon einmal "Die Branche arbeitet mit Hochdruck an der erforderlichen Sende- und Empfangstechnik."

Aber die Teilnehmer des Panels „Fernsehen jenseits von HDTV“ betonten auch "dass der erforderliche Prozess große wirtschaftliche und technische Herausforderungen an alle an der Wertschöpfungskette Beteiligten stellt". Mit der auf der IFA präsentierten Schnittstelle HDMI 2.0, dem Codierungsverfahren HEVC und ersten Test-Übertragungen auf Astra-und Eutelsat-Satelliten stünden wichtige Bausteine für ein UHD-Ökosystem zur Rundfunkübertragung bereits zur Verfügung. Andere Schritte wie die Verfügbarkeit von Chips zur Decodierung und Encodierung der Ultra-HD-Bildsignale bräuchten noch einige Zeit. Ab 2014 seien erste fertige Empfangsgeräte und Medienangebote denkbar.

 In vier Kurzvorträgen informierten Branchenexperten über den technischen Stand der Dinge: Marcel Gonska, Gründer und Geschäftsführer des Medientechnik-Beratungsunternehmens White Light Consultations, stellte fest, dass es bei einer UHD-Produktions- und Sendekette um nichts weniger als die Einführung eines neuen TV-Systems gehe. So gehe es nicht allein um eine auf 3.840 mal 2.160 Pixel erhöhte Bildauflösung, sondern auch um eine Verbesserung der Bewegungsdarstellung, also um die sukzessive Erhöhung der Bildwechselfrequenz auf 60, 100 oder gar 120 Bilder pro Sekunde. Ultra-HD müsse auch die Farbinformationen (Fachbegriff: Farbraum) an die besseren Darstellungsmöglichkeiten der neuen Bildschirmgeneration anpassen und so auch auf diese Weise zur überlegenen Bildqualität beitragen.

Stephan Heimbecher, Head of Innovations and Standards bei Sky Deutschland, berichtete von den Erfahrungen seines Senders beim Betrieb des als „Proof of Concept“ über einen Astra-Satelliten ausgestrahlten UHD-Demokanals. Heimbecher beschrieb die kreativen Optionen, die UHD-Technologien erschießen. So kann der UHD-Bildschirm zum Beispiel mehrere Kameraperspektiven gleichzeitig in voller HD-Auflösung zeigen – etwa von Sportereignissen oder Konzerten. Auch die 3D-Darstellung kann von der UHD-Technik profitieren, zum Beispiel, wenn Polarisationsfilter und preisgünstige passive Brillen eingesetzt werden. Dann ist der 3D-Genuss mit voller HDTV-Auflösung möglich. Heimbecher erklärte zudem, dass die Codierung der Bildsignale nach dem für UHD geplanten Verfahren HEVC („High Efficiency Video Coding“, auch H.265 genannt) derzeit doch sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Bis Echtzeit-Encoder verfügbar seien, werde es noch ein bis zwei Jahre dauern.

Auch IFA 2013: Konzert im Sommergarten mit Unheilig Foto: IFA

Dr. Ralf Schäfer, Leiter des Bereichs Signalverarbeitung am Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut, stellte die HEVC-Technik im Detail vor. Das neue Verfahren könne die Datenraten von Videosignalen bei gleicher Qualität um bis zu 50 Prozent stärker reduzieren als das Vorgänger-Verfahren H.264 – oder seine höhere Effizienz für entsprechend höhere Videoqualität nutzen. Es sei nicht nur ein unverzichtbares Element von UHD, sondern auch ein Verfahren, von dem alle Arten der Bewegtbild-Übertragung und -Speicherung profitierten. HEVC biete auch eine gute Grundlage für 3D-Verfahren ohne Brille („Auto-Stereoskopie“). Die HEVC-Encodierung erfordere bisher allerdings noch viel Rechenzeit. So liege die Signalumwandlung selbst mit leistungsstarker Computertechnik noch um den Faktor 1.000 über einer Echtzeit-Encodierung.

Sascha Lange, Marketing- und Vertriebsleiter TV Deutschland und Österreich bei Toshiba, ergänzte den Überblick mit Einschätzungen aus Vermarktungs-Sicht. Er stellte fest: UHD ist das Top-Thema der IFA 2013. Lange kündigte an, dass 55-Zoll-Geräte mit UHD-Auflösung nach der IFA 2013 bereits für unter 3.000 Euro angeboten werden. Voraussichtlich für das Jahr 2015 rechnet er mit einem Absatz von zwei Millionen UHD-Fernsehgeräten. Zudem sei UHD eine wichtige Basis dafür, auch in kleineren Räumen größere Bildschirmdiagonalen zu nutzen – was dem Trend im Fernsehgerätemarkt entgegenkäme.

In der anschließenden Podiumsdiskussion stellte Steve Venuti, President der HDMI Licensing LLC., die auf der IFA vorgestellte Spezifikation 2.0 der HDMI-Schnittstelle vor. HDMI 2.0-Anschlüsse sind für die Übertragung von UHD-Signalen ausgelegt und transportieren dazu über entsprechende Verbindungskabel bis zu 18 Gigabit je Sekunde.

Thomas Wrede, Vice President Product Management Media bei SES ASTRA, berichtete, dass Astra bereits zwei UHD-Demokanäle eingerichtet hat – je einen für HEVC-Videosignale und einen für die Übertragung von Bewegtbildern, die nach dem etablierten Verfahren H.264 codiert wurden. Die erforderlichen Chips für den Bau von Empfangsgeräten könnten nach seiner Einschätzung schon im kommenden Jahr zur Verfügung stehen.

Dem stimmten auch die anderen Vertreter auf dem Panel zu: Bis Ende 2014 werde sich die Verfügbarkeit und Qualität von Bauteilen sowohl zur Encodierung als auch Decodierung von UHD deutlich verbessern. Schon heutige Modelle, so betonte Toshiba-Experte Sascha Lange, böten durch leistungsstarkes Upscaling (Hochrechnen der Bildauflösung) jedoch deutlich bessere Bildqualität als reine HDTV-Geräte.

Die Hollywood-Studios, die als wichtige künftige Lieferanten für Filme in UHD-Qualität gelten, betrachteten die neue Technik mittlerweile als vielversprechendes Geschäftsfeld. Unklar seien allerdings noch die Verbreitungswege – also etwa die Frage, ob Filme in dieser Auflösung auf einem physischen Medium oder eher per Internet-Streaming verbreitet würden.

In einem waren sich die Experten einig: Auch wenn manche Rahmenbedingungen erst noch definiert werden müssen, gehört der UHD-Technik die Zukunft. (gfu)

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