IFA (4): All You Can Watch! Nö. Nich bei uns.

Screenshot: Youtube
Es hätte so schön werden können. Die großen Klassiker. Loriot. Raumpatrouille Orion. Stahlnetz- Krimis. Heinz Sielmann erklärt die Welt der Tiere. Oder meinetwegen auch Heinz Schenk, der im "Blauen Bock" weinselig Lieder zum "Äppelwoi" kredenzt.

Jetzt müssen wir wohl weiter mit ausgewählten Schwarzpressungen in mehr oder weniger guter Bild- und Tonqualität auf Youtube klarkommen. "Germanys Gold" wird auch in Zukunft in den Archiven vergammeln.

"All you can watch"- unter diesem eigentlich vielversprechenden Motto stand der die IFA begleitende Internationale Medienkongress in diesem Jahr und eigentlich waren sich auch alle einig, dass das die Zukunft ist. Wenn es jedoch konkret wird, wird es in Deutschland wie beim Youtube-Gema-Streit wie immer vor allem eins: Schwierig. Zum Ende seiner Keynote kam ZDF-Intendant Thomas Bellut auf "Germanys Gold" zu sprechen. Die geplante gemeinsame deutsche Video on demand- Plattform, schon euphorisch als "deutsches Hulu" bezeichnet, kommt so wie geplant wahrscheinlich nicht.

Die "nach wie vor ungeklärten kartellrechtlichen Fragen" würden möglicherweise bedeuten, dass man das Engagement lassen müsse, "was schade wäre, sehr schade". Amerikanische Anbieter stünden bei ZDF Enterprises Schlange, um das Geschäft zu übernehmen. "Aber muss nicht ein neues Geschäft wie eine VoD Plattform auch in Deutschland, hier in Berlin, versucht werden?"

Die gemeinsame Plattform von ARD, ZDF und Produzenten erhielt in der geplanten Form nicht die Freigabe des Bundeskartellamtes. Ein gerüchteweise diskutierter Deal, durch Ausscheiden des Gesellschafters ZDF die Kuh irgendwie vom Eis zu bekommen, war wohl auch nicht die Lösung. Es wäre auch nicht mehr das gleiche, erfolgversprechende Projekt gewesen.

ARD und ZDF würden als Unternehmer und Wettbewerber auf dem Markt für Video-on-Demand auftreten und müssten ihre Produkte deshalb auch wie andere Unternehmen unabhängig voneinander vermarkten, so das Kartellamt. Darüber hinaus seien die Mediathek und die Produktion der Inhalte gebührenfinanziert und verursachten bereits deshalb eine erhebliche Wettbewerbsverfälschung auf dem Markt für Video-on-Demand.

Formal-kartellrechtlich alles richtig. Aus deutscher Perspektive gesehen. Nur ist der Video-on-Demand- Markt ein Weltmarkt auf dem auch die riesigen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF nur mittelständische Kleinunternehmer sind. Die keinerlei Chancen auf diesem Markt gegen die Googles, Amazons, Netflix und Hulus dieser Welt haben werden, auch nicht in Deutschland, wenn sie ihre Kräfte nicht bündeln und mit ihren besten Pfunden nicht wuchern dürfen.

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