Glasfasern für alle?! Vodafone darf Kabel Deutschland übernehmen

Foto: Vodafone
Die EU-Kommission gibt grünes Licht- die Übernahme von Kabel Deutschland durch die britischen Mobilfunker von Vodafone kann starten.
Der Wettbewerb werde dadurch nicht nennenswert beeinträchtigt, da beide in sich ergänzenden, nicht in gleichen Geschäftsfeldern tätig seien- so die Begründung.
Kabel Deutschland soll weiter als eigenständiges Unternehmen in Unterföhring bleiben und zusätzlich das Festnetzgeschäft von Vodafone mit verantworten.
Erstmals könnte der Telekom in Deutschland ein ernst zu nehmender Infrastruktur-Konkurrent erwachsen.

Vodafone Deutschland, wer weiß das schon noch, ist aus der ehemaligen D2-Mobilfunk der Firma Mannesmann hervorgegangen, die unter dubiosen Umständen im Jahre 2000 von der britischen Vodafone im Rahmen einer feindlichen Übernahme aufgekauft wurde.
Wegen für deutsche Verhältnisse außergewöhnlich hoher Abfindungen kam es sogar zu einem Gerichtsverfahren- auch gegen den zum Zeitpunkt der Übernahme amtierenden Vorsitzende des Aufsichtsrates. Der hieß damals Josef Ackermann. Ja, der Josef Ackermann.

Aber das ist Schnee von gestern. Bedeutet die Übernahme endlich mehr Wettbewerb und damit vielleicht Fortschritte in Richtung einer den Anforderungen der Zeit entsprechende Internet-Infrastruktur für Deutschland?
Immerhin hat Vodafone sich gerade vom US-Markt zurückgezogen, wird seine Verizon Wireless-Anteile dort für 130 Milliarden Dollar verkaufen und hat angekündigt, diese prall gefüllte Kriegskasse nun vorrangig in Europa zu investieren. Selbst nach dem Kabel Deutschland-Kauf bleibt man da noch recht flüssig.

Zwar hat die Telekom auch gerade eine "Netzoffensive" angekündigt. Aber die vorrangig dort für den Einsatz vorgesehene DSL-Vectoring-Technologie ist bei Geschwindigkeiten von 100 Mbit/s ausgereizt- 100 Mbit sind im TV-Kabel fast schon normal und die TV-Kabelnetze haben da noch Reserven. Auch 400 Mbit wären hier mit überschaubarem Aufwand machbar.

Und die werden gebraucht. "Für eine zeitgemäße Mediennutzung und uneingeschränkte Kommunikation brauchen die Konsumenten künftig mehr Bandbreite", so der Bundesverband Technik des Einzelhandels e.V. (BVT) kürzlich im Vorfeld der Funkausstellung. "Der Flaschenhals sind weder die Leistungsfähigkeit der Geräte noch die Verfügbarkeit von Inhalten: Der limitierende Faktor von Smart Home und mobiler Medienfreiheit sind die Netze", so der BVT-Vorsitzende Willi Klöcker. "Wenn die verfügbare Bandbreite nicht rasch zunimmt, werden die deutschen Verbraucher schon bald von innovativen Lösungen und Anwendungen buchstäblich abgeschnitten." Bildkommunikation, soziale Netzwerke und Cloudlösungen, aber auch die Vernetzung der Geräte untereinander ließen einen "explosionsartigen" Anstieg der Datenmengen erwarten. "Fehlende Infrastruktur ist nicht nur ein Standortnachteil für die Wirtschaft, sondern ein Verlust an Lebensqualität für den Konsumenten. Lange Wartezeiten und Verbindungsabbrüche werden von unseren Kunden nicht akzeptiert. Schlimmer noch: In vielen Regionen wird ihnen nicht einmal der Stand der Technik, wie High-Speed-Internet und Fernsehvielfalt in High-Definition, angeboten. Ein digitales Armutszeugnis für den Technologiestandort Deutschland."

Für UHDTV-Fernsehen per Internet, den Stand der Technik, für den man jetzt eigentlich Infrastruktur planen müsste, sind weder von Vodafone noch von der Telekom Planungen für Deutschland bekannt.

Es muss für eine große Industrienation wie Deutschland doch möglich sein, zu machen, was selbst kleinere und ärmere Nationen längst tun: Eine simple Glasfaser mit Gigabit-Datenübertragungskapazität bis in die Haushalte zu bringen.

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