Die Zukunft des Fernsehens sind Marken in der Cloud

Wieder jung: Mr. Spock und Captain James T. Kirk (c) Paramount Pictures
Es war das Jahr 1972, als das ZDF begann, die amerikanische TV-Serie "Raumschiff Enterprise" in Deutschland auszustrahlen. Wie viele andere Jungs in meinem Alter war auch ich sofort fasziniert. Für Jüngere ist die Bildqualität eine schwarz/weiß Röhrenfernsehgerätes mit einer Bildschirmdiagonale von etwa 40cm sicher kaum nachvollziehbar. Aber die Enterprise-Story war so in ihrer Art etwas definitiv Neues- und definitiv Neues gab es damals alle paar Jahre und nicht alle 10 Minuten.

In Erinnerung geblieben ist mir noch die Gemeinheit der ZDF-Programmplaner, Enterprise gegen die ARD-Sportschau mit Fußball-Bundesliga zu programmieren- und der Kommandeurs-Sessel von Raumschiffkapitän James Tiberius Kirk. Der saß in exakt dem gleichen Sessel wie ich beim Zuschauen! Ja, so moderne Erzeugnisse gab es damals aus volkseigener DDR-Möbelproduktion. Nur da, wo bei mir eine schon leicht abgeschabte Holzblende die Armlehne abschloss, hatte Kirk ein paar zusätzliche Schalter.
Solche Drehsessel galten damals als chic und modern. Neuerdings sieht man immer öfter Jungs auf der Straße mit unserer Vokuhila-Frisur von damals. Vielleicht kommen ja auch die Miniröcke wieder. Oder eben die Drehsessel.

Gut 40 Jahre ist das jetzt her und das Raumschiff Enterprise fliegt immer noch. Naja, es heißt jetzt Star Trek Enterprise. Ein wenig Fan bin ich noch immer. Im Laufe der Jahre alterte die Mannschaft mit uns. Scotty und Kirk bekamen Wohlstandsbäuche, McCoy blickte noch kränklicher auf seine störrischen Patienten und Mr. Spock brauchte immer weniger Schminke für das Vulkaniergesicht. Zeit für die Rente.


Aber da war mittlerweile eine weltweite, immer größere Fangemeinde, die auf neue Abenteuer ihrer Helden wartete. Zwischenzeitlich gab es viele Versuche, eine neue Enterprise-Besatzung zu etablieren. Darunter eine wirklich gute "next Generation" mit dem großartigen Patrick Steward als Captain Jean-Luc Picard und dem liebenswerten Androiden Data. Das alles konnte nichts daran ändern: Ein Raumschiff Enterprise ist es nur, wenn der Kapitän Kirk heißt, ein Vulkanier namens Spock der erste Offizier ist, Pavel Chekov und Mr. Sulu am Pult steuern, Mr. Scott den Maschinenraum zusammenhält und Lt. Uhura als Sekretärin für den Chef den Anruf der Klingonen durchstellt.

Was kann man da tun? Irgendwann kam jemandem bei Paramount wohl die Idee: Dann gebt den Leuten doch dass, was sie wollen. Aber wie? Vielleicht gab ja George Lucas mit seinen StarWars die Inspiration: Gehe in der Zeit zurück, noch vor den Anfang. Eine junge Besatzung wurde gesucht, mit Darstellern, die aussehen wie Kirk, Spock, Chekov, Zulu, Uhura oder Scotty. Ein erster Film wurde produziert, der erzählt wie Kirk in jungen Jahren zum Captain wurde. Actiongeladener, mit Special Effects auf der Höhe der Zeit. Und siehe da: Das Publikum kam. Mittlerweile konnte ich mir den zweiten Film der neuen Besatzung schon auf der gerade veröffentlichten DVD anschauen- "Star Trek Into Darkness". Mit dem großartigen Benedict Cumberbatch als Bösewicht "Khan"- das verspricht noch einiges.

Auch wenn es bei den Hardcore-StarTrek-Fans durchaus andere Meinungen gibt: Ich sage mal, das Experiment ist gelungen. Die Besatzung der Enterprise wurde zu einer Marke, die nicht mehr an konkrete Darsteller gebunden ist. Sie wird durch die unendlichen Weiten des Weltraums weiterfliegen- vielleicht sogar bis ins 23. Jahrhundert.

In den Kinos werden derweil die "Marken" immer mehr. Batman, Transformers, Men in Black, Alien, Stirb langsam und und und.. Warum ist das so? Ganz einfach. Nicht nur für die Produzenten- auch für den Zuschauer ist ein neuer Film ein Risiko. Bei den Marken weiß man dagegen genau, was einen erwartet, wenn man eine Kinokarte kauft.

Wenn aber das Fernsehprogramm der Zukunft eine unendliche Zahl von Programminhalten ist, die on demand in der Cloud bereit liegen- nach was wird das Publikum suchen? Nach Marken. Marken wie Bundesliga, DSDS oder eben- StarTrek. Diese Marken werden dort auch ganz gut ohne das bisherige Konzept "Sender" auskommen. Sogar besser als bisher. Sie können direkt beim Zuschauer oder Werbekunden kassieren- die Zwischenstufe "Programm" und "Sender" wird überflüssig.

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