Landesmedienanstalten: Modernisierer dringend gesucht

Der Satz, für den er berühmt wurde, ist historisch nicht bewiesen. "Nu da machd doch eiern Drägg alleene" soll Friedrich August III., letzter König von Sachsen, gesagt haben als er 1918 abdanken musste. Historisch verbürgt ist allerdings, dass er vorher eine blutige Unterwerfung der revolutionären Unruhen untersagt hatte. Als er spürte, dass es Zeit war, zu gehen, ging er einfach und widmete sich dem Reisen und der Jagd. Die Sachsen haben ihn jedenfalls geliebt. Als er 1932 verstarb, gaben ihm mehr als 500.000 Menschen das letzte Geleit.

Irgendwie ist dieses Gespür für die Notwendigkeiten der Zeit heute weitgehend verloren gegangen. Und das ist nicht nur ein sächsisches Problem, sondern zum Beispiel auch ein baden-württembergisches.
Dort, im schönen Land der Kehrwoche, feierte die heimatliche Landesmedienanstalt, die dort "Landesanstalt für Kommunikation (LFK)" heisst, dieser Tage die Inbetriebnahme eines "Satelliten TV-Portals mit baden-württembergischen Lokal-TV-Sendern".

Von links: Christian Noll (TV Südbaden), Dr. Andreas Klöcker (RNF), Nikolaus Donner (Regio TV-Gruppe), Thomas Langheinrich (LFK), Frank Strässle (bmt), Jana Wittig (Baden TV), Manfred Kusterer (L-TV) Foto: LFK
Das Portal sendet im Prinzip auf Kanal 99 ein Standbild mit einer HbbTV-Anwendung, welche dann per Internet auf die Mediatheken verschiedener Lokalsender zugreift.

Das gibt es auch schon in Bayern und wäre nicht wirklich bemerkenswert, wenn nicht LFK-Präsident Thomas Langheinrich sich bei der Gelegenheit mit wegweisenden Äußerungen weit ins Neuland des Internet herausgewagt hätte. Immerhin ist der Mann auch "Europabeauftragter der deutschen Medienanstalten" und als solcher ja so etwas wie ein Außenminister des deutschen Rundfunk und Fernsehens.

Es fängt ganz harmlos an. "Immer mehr Zuschauer verbinden ihren Flachbildschirm im Wohnzimmer auch mit dem Internet", schreibt die LFK. Ah, ja. Manche schreiben sogar seit Jahren Blogs darüber- was solls. "Neue Technik erfordert auch neue Regulierung", so Langheinrich. "Es macht wenig Sinn, wenn die klassischen Fernsehsender in ihren Programmen Werbegrenzen einhalten und den Jugendmedienschutz beachten müssen, andererseits über das gleiche Endgerät mit Hilfe von Apps Bewegtbild-Angebote herunter geladen werden können, die sich nicht an diese Vorgaben halten müssen."

Ja!! Heureka! Hier hätte er aufhören sollen- genau bis zu diesem Punkt waren wir dieser Tage im Zusammenhang mit den lustigen Vorgängen rund um den "Schwarzsender" Borussia Dortmund ja auch schon gekommen.

Aber leider geht es weiter. "Generell mahnte Langheinrich eine Anpassung der bundesdeutschen und europäischen Mediengesetze an", so die LFK, "die von ihrer Ausrichtung noch auf dem technischen Status Quo aus dem vergangenen Jahrhundert basierten." Auch das ist richtig. Aber will er den Status Quo in dieses Jahrhundert bringen oder doch vielleicht gar weiter zurückwerfen?
So will Langheinrich die deutsche Medienregulierung auch auf TV-Gerätehersteller ausdehnen, damit diese TV-Kanäle an den von ihm vorgeschriebenen Stellen platzieren. Dazu will er überwachen "wer Daten über das Fernsehverhalten nutzt und in welchen digitalen Wolken sie entschwinden." Das klingt alles erst einmal sehr löblich, verrät aber, wenn man es sich in der Praxis vorstellt, eine gefährliche Ahnungslosigkeit von den technischen Realitäten.

Das führt dann zu Projekten wie dem Lokal-TV Portal welches mit hohem Aufwand an Gebührengeldern einen Service in schlechterer Qualität produziert als man bei Youtube kostenlos bekommen hätte.
Ach so, liebe Landesmedienanstalten: Apps und TV-Gerätehersteller zu regulieren reicht auch schon wieder nicht mehr. Neue Teufelsdinge wie Chromecast werden kommen und ihr müsstet nach chinesischem oder nordkoreanischen Vorbild das gesamte Internet zensieren.

Was nun? Wie wärs mit wirklicher Modernisierung nach dem Vorbild von Friedrich August dem III. ?




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