Ihr Fernseher hat bald Links. Und wird nie wieder sein wie bisher.

Da mögen die selbsternannten Gender-Experteninnen reden und schreiben was sie wollen- Fakt ist, Frauen mögen in der Regel andere Filme schauen als Männer. Es ist schon etwa 15 Jahre her, als ein aus meiner Sicht viel zu wenig gewürdigtes, geradezu visionäres Meisterwerk in unsere Kinos kam: "Starship Troopers" von Paul Verhoeven.

Bis zu diesem Film gab es eine faire Vereinbarung mit der besten Frau von allen. Im Wechsel durfte immer derjenige das Programm für den Kinobesuch aussuchen, der das letzte Mal nicht "dran war". Nach "Starship Troopers" war damit Schluss. Danach musste jeder Film sich der Grundsatzdiskussion stellen. Wir waren dann erheblich seltener im Kino.
Von den Filmen, die auch Jungs interessieren, erhielt überhaupt nur noch "Avatar" die uneingeschränkte Freigabe.

Dabei war "Starship Troopers" doch so viel mehr als das bluttriefende Abschlachten albern kostümierter Soldaten und riesiger Alien-Kakerlaken, das meine Kino-Begleitung gesehen hatte. Der Film zeigte die geradezu beklemmend wahrscheinliche Vision einer militärisch-faschistoiden Zukunftsgesellschaft, in der die Offiziere vom Geheimdienst original geschnittene, elegante Gestapo-Ledermäntel trugen- was damals sehr passend erschien und erst später durch "Neo" in der "Matrix" auf ein bedeutungsfreies Mode-Accessoire reduziert werden konnte.

Screenshot: starshiptroopers.net


In der Welt von "Starship Troopers" gab es eine geradezu allgegenwärtige Nachrichtensendung. 1997, als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte und wirklich niemand an "WebTV" oder "SmartTV" dachte, war Paul Verhoeven hier wirklich ein Visionär: Das "Federal Network" informierte nicht nur über die aktuelle Lage und Ereignisse im Kampf mit "Arachnoiden" und "Bugs". Nach jeder Nachricht, egal zu welchem Thema, kam die Frage des TV-Programms an den Zuschauer: "Wollen Sie mehr wissen?"
Das ist ein Angebot. Paul Verhoeven visualisierte nach meinem Wissen als erster die Idee des Hyperlinks für Fernsehen.

Jetzt sind "Links" im Internet ja nichts ungewöhnliches. Sie sind eigentlich sogar das Organisationsprinzip des Netzes- die Google-Gründer haben dies ja als erste erkannt und letztendlich auf dieser Erkenntnis ein Imperium aufgebaut. Also wer genau wissen will, was ein Link ist- die ganze Geschichte mit Hypertext, html und so- möge bei Wikipedia nachschauen. Allgemeinwissen über "Links" ist: Sie führen zu einem neuen Inhalt- man muss nur noch klicken, ein Zeichen geben, dass man will und schon geht's los. Das reicht auch völlig aus um zu verstehen: Der "Link", so er denn da ist, wird das Fernsehen viel stärker und grundsätzlicher verändern als einst die Einführung zusätzlicher Farben neben schwarz und weiß oder HDTV.

Nun gibt es ja schon ähnliche Angebote- so überrascht ja das HbbTV regelmäßig mit der Aufforderung einen "Red Button" zu drücken für mehr. Das führt zwar zu weiteren und zu mehr Inhalten- in ein grenzenloses Universum, durch das man "surfen" kann wie im "richtigen" Internet führt das aber nicht.

Warum ich das schreibe? Keine Ahnung. Ach so: Bei Youtube gibt es seit einiger Zeit das Partner-Feature "Annotations" - es blendet an einer selbst auswählbaren Stelle im Video einen kleinen Overlay-Button ein, welcher zu einem anderen Youtube-Video verlinkt. Demnächst kann man damit auch zu anderen Webseiten, zum Beispiel seinem Webstore, eigenem Livestream oder oder verlinken. Noch ist nicht bekannt auf welchem TV-Gerät das vielleicht direkt funktioniert. Aber mit Chromecast und "Second Screen" wird es sofort prächtig und barrierefrei funktionieren. In Echtzeit und exakt mess- und analysierbar wie der Rest des Internets auch.

Hier in Thüringen wissen wir, welche Veränderungen der Fall einer einzigen Mauer auslösen kann. Ich glaube, große Brodcaster und TV-Sender werden es auch bald lernen. Imperien, deren Macht auf Zäunen und Mauern gründet, sind ohne Zukunft. Wollen Sie mehr wissen? Demnächst vielleicht hier.


Kommentare

Aktuell meist gelesen: