Google I/O: Google-TV auf kleiner Flamme- VP9 Codec als Highlight für Video

Im schönen San Francisco läuft gerade die alljährliche Google-Entwicklerkonferenz I/O- vielleicht mittlerweile das Event welches für alle die rund ums Internet arbeiten und Geld verdienen wollen die Themen des Jahres setzt. Denn Google ist weit mehr als eine Suchmaschine: Android ist mittlerweile das führende Handybetriebssystem und marschiert langsam aber sicher auf die Tablets. Chrome hat sich zäh vom Exoten zum marktführenden Browser vorgearbeitet und will jetzt den Rest vom Rechner auch noch betreiben. Und Google Maps will wohl demnächst unsere Autos ohne uns steuern.

Länger als drei Stunden dauerte die Eröffnungs-Keynote- die Entwickler und Chefs von Maps, Play-Store, Chrome und vielem mehr durften einem großen Publikum in der Halle und weltweit (es gab sogar Public Viewings auch in Deutschland) ihre neuesten Spielsachen präsentieren.
Am Ende erschien sogar Larry Page himself und beantwortete mehr als eine halbe Stunde lang geduldig die Fragen ganz gewöhnlicher Besucher.   

Google-TV wurde nicht erwähnt.

Das ist normalerweise kein gutes Zeichen- Google ist bekannt dafür das Spielzeuge die schwierig sind, unpopulär oder (gar nicht so selten) die da draußen niemand versteht auch schnell einmal wieder abgeschafft werden.

Aber nein. Als es später auf der I/O ins Detail ging war auch Google TV wieder dabei. Das überfällige Update von Honeycomb auf Jelly Bean wurde für die nächsten Monate versprochen (wenn auch nicht für alle) und von TCL wird es einen 4K-Fernseher mit GoogleTV geben. Und über Video Games wurde spekuliert- bis hin zu einem denkbaren Ausbau zur vollwertigen Spielkonsole. Aber so wirklich Aufbruch war nicht.

Der Spiegel fand die Keynote "nicht herausragend". Möglichweise weil kein neues Iphone gezeigt wurde- denn einige der aufgezeigten Entwicklungen sind, denke ich, weitaus bedeutender als irgendein neues dolles Hardware-Spielzeug aus Fernost.

Neben den neuen Google-Maps ist es eine Entwicklung aus dem Videobereich die mich am meisten beeindruckte: Google geht mit dem neuen Open-Source- Video-Codec VP9 an den Start. 
Einst hatte Google das Projekt "WebM" gestartet, aus welchem auch der Codec VP8  stammt.


Wegen Patentstreitigkeiten blieb der Erfolg aus. Nun kommt VP9, wird im Juni in Chrome integriert und auch Youtube wird ihn nutzen.
Laut den auf der Keynote gezeigten Charts soll VP9 bei gleicher Bildqualität nur noch die Hälfte an Bandbreite im Vergleich zum derzeitigen H.264 benötigen und hat damit dem in Entwicklung befindlichen H.265 eine ziemliche Benchmark vorgelegt.

Laut Cisco wird Video im Jahr 2016 55% des Internet-Datenverkehrs weltweit durch Konsumenten brauchen- jede Sekunde (!) sollen dann 1.200.000 Minuten durchs Internet sausen. Ein neuer Codec welcher bei breiter Anwendung den dafür benötigten Traffic halbiert - da werden Milliarden frei und zusätzlich erwirtschaftet durch gesparte Investitionen und trotzdem mögliche neue Multimedia-Services.
Das mag "nicht herausragend" sein. Aber revolutionär- nur um das zu verstehen müsste man wissen um was es geht.        

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