Freitag, 23. September 2016

"Mr. Robot" oder "Narcos": Die Sprach-Revolution braucht einen Anführer

Mr. Robot. Foto: Amazon / © 2015 Universal Pictures Germany. All Rights Reserved.

Mr. Robot ist wieder da. Wie schön. Ja, schon länger. Aber jetzt auch in Deutsch bei Amazon Prime. "So etwas musst Du doch im englischen Original gucken", höre ich dann oft. Das ist schlicht und ergreifend Quatsch. Ja, für einige wenige mag das stimmen. Aber viel öfter hört man diese Sprüche von Möchtegern-Jetsettern und albernen Posern, die mit ihren Fremdsprachen-Kenntnissen prahlen wollen.

Englisch verstehen und sprechen ist eine Sache. Sich eine gute Geschichte in Serie erzählen zu lassen, eine ganz andere. Fernsehen ist ein Leanback-Medium. Ich will in die Welt des "Mr. Robot" eintauchen. Sie soll mich aus dem Hier und Jetzt in ein neues Universum führen und mich für eine Weile gefangen nehmen. Was hat er gesagt? Schon, wenn ich nur kurz darüber nachdenken muss, ist dieser Effekt gestört. Beim Lesen von Untertiteln ist es völlig vorbei. So funktioniert das nicht. Die Verfechter der "Originale" sind bestenfalls ahnungslos. Kommen sie aus der Branche, sind sie dagegen meist etwas viel Schlimmeres: Controller halt, die nach Vorwänden zum Kosten sparen suchen- also die natürlichen Todfeinde jeglicher Kreativität.

Ja, Synchronisation ist eine schwierige Geschichte. Ich leide auch fast schon körperliche Schmerzen bei deutschen öffentlich rechtlichen Serien, in denen thailändische Marktfrauen Deutsch mit seltsamen Akzenten sprechen oder gar Buschmänner im Süden Afrikas mit ebenso gütigen wie blonden deutschen Hausfrauen "Dialoge" führen, die völlig zu Recht so nie zuvor ein Mensch gehört hat. Aber das ist nicht die Schuld der Synchronisation. Ja, schlechte Synchronisation kann einer Serie schaden. Gar nicht so selten aber, wenn tolle Profis am Werk sind, kann sie sogar ein wenig verbessern. Aus einem "SchleFaZ" wird aber so oder so kein Sieger auf großen Filmfestivals.

Mr. Robot auf Deutsch ist nun da und ich kann ihn in Ruhe genießen, ohne über andere Dinge nachdenken zu müssen. Die Revolution braucht einen Anführer- und beim Synchronisieren sollte es nicht Amazon, sondern Netflix sein.

Denn die "Narcos" von Netflix sind die Serie, von der ich immer wieder höre, dass viele sie aus Sprachgründen nicht bis zum Ende schauen. Netflix will das Fernsehen globalisieren und macht Ernst damit. Also sprechen die Drogen-Barone viel Spanisch- und da sind auch die Verfechter der "Originale" plötzlich ganz still. Wie aber synchronisiert man eine zweisprachige Serie richtig? So wie die öffentlich-rechtlichen Traumschiffe aus Deutschland?

Jetzt wage ich mal eine kühne Prognose- und sage ja. Denn genau so, wie aus dem "SchleFaZ" durch Synchronisation keine Perle wird, würde aus den "Narcos" deshalb kein Schrott. Netflix muss die Revolution anführen.

Polen und die Türkei bekommen gerade von Netflix eigene "Kanäle" in ihrer Heimatsprache. So wird es immer weiter gehen. Das Netflix-Konzept beruht darauf, dass irgendwann alle weltweit alles von allen sehen. Richtig erfolgreich wird es aber erst dann werden, wenn mexikanische Telenovelas in Zukunft bei Bedarf auch türkisch oder polnisch sprechen, statt nur zu schreiben. Wenn Gerard Depardieu in "Marseille" plötzlich japanisch redet, nur weil einer in Tokio das guckt. Nein, die erste deutsche Netflix-Serie muss deshalb nicht "Finster" statt "Dark" heißen. Aber sie sollte in Rio portugiesisch können.

Das ist eine aus heutiger Sicht noch fast unlösbare Aufgabe. Aber Netflix macht sich über das Problem ja schon ziemlich viele Gedanken- bis hin zu der Frage, wie man eine "Late Nigt"-Talk-Show global wirklich benutzbar macht.

Wird also irgendwann in Hollywood ein gigantischer Netflix-Turm von Babylon voller Synchronisations-Studios stehen? Wohl eher nicht. Mr. Robot könnte die Lösung für die Zukunft bringen. Die zu uns sprechende künstliche Intelligenz aus der Cloud steht erst am Anfang. Irgendwann könnte sie auch Film-Dialoge in allen Sprachen beherrschen. Dann wäre es nur noch ein sehr großer Schritt weiter zur dramaturgisch echten und automatisierten Synchronisation.

Das ist aus heutiger Sicht noch eine fast unlösbare Aufgabe. Die Revolution braucht einen Anführer. Mr. Robot, bitte übernehmen sie. Und jetzt kein uahhahahaha..

Mittwoch, 21. September 2016

Very Strange Things- Netflix enthüllt: Deutsche kommen früher

Wohin man auch schaut- Stranger Things sind überall zu finden  Foto: Netflix

Ja, wir wissen es. Netflix vermisst uns Zuschauer ganz genau. Und findet dabei erstaunliche Dinge heraus. Ihr wisst schon, "Breaking Bad", Jesse Pinkman und die Sache mit der Badewanne.

Der "weltweit führende Internet-TV-Sender" hat seine Untersuchungen vom letzten Jahr nun ausgeweitet, um unser Sehverhalten auf globaler Ebene noch besser zu analysieren. Genauer: Auf Netflix-Mitglieder in rund 35 Ländern aus allen Kontinenten. Das Ziel war erneut, die Episode einer Serie herauszufinden, die aus uns Zuschauern Fans macht. Nach Meinung von Netflix ist es die Folge einer Serie, die dazu führt, dass mindestens 70% der Zuschauer die gesamte Staffel zu Ende schauen.

Das Ergebnis: Egal, ob Netflix-Abonnenten aus Argentinien, Japan oder Deutschland: Sie werden nicht nur bei ähnlichen Folgen angefixt, sondern identifizieren sich auch mit ähnlichen Geschichten.

Die Angst vor dem Ungewissen machte Zuschauer von "Stranger Things" ganz wuschig, so Netflix, (wo ist Will, wo ist Barb und was ist ein Demogorgon, Folge zwei) und ließ sie bei "Scream" das ein oder andere Mal aufschreien (der Killer lädt Emma zu einem gefährlichen Spiel ein, Folge drei). Die Unterwelt der politischen Korruption, ob es Pablo Escobars Durst nach Macht in Kolumbien ist oder Robert Taros Kampf zur Machterhaltung in Frankreich, habe die Netflix-Abonnenten bei Narcos und Marseille jeweils in Folge drei endgültig gefesselt.

Wenig überraschend führte die Faszination von Crime-Stories - ob echt oder fiktiv - dazu, dass Zuschauer schnell "verhaftet" waren: Bei "Making a Murderer" war es die Befragung von Brendan Dassey (Folge vier). In der selben Folge war es auch um die Zuschauer von Marvel’s "Jessica Jones" geschehen und noch eine Episode früher waren sie von "How to get Away With Murder" angefixt.

Jedoch seien nicht alle Momente dunkel oder tödlich, die uns zu Fans einer Serie machen. Liebe war der Schlüssel, der die Zuschauer mit den "Gilmore Girls" vereinte (Rorys erster Kuss, Folge sieben). Familiäre Beziehungen gaben den Ausschlag bei "The Get Down" (Mylenes Zukunft verspricht strahlend zu werden, aber ihre Beziehung zu ihrem Vater erfährt einen Tiefpunkt, Folge zwei). Auch wenn es da vielleicht nicht so viele waren.

Familiär ging es auch auf "The Ranch" zu (das Einzige, was größer ist als Colts Ego, ist Beaus Sturheit, Folge drei). Liebe und Familie zugleich funktionierten bei "Fuller House", als Hund Cosmo den Tanner-Clan in Folge vier komplettierte.

Aber jetzt kommt der Clou: Die Deutschen sind der Welt da draußen nicht unähnlich, jedoch einen Unterschied gibt es: Germanische Netflox-Abonnenten sind im Durchschnitt in Folge drei von einer Serie überzeugt. Das ist eine ganze Folge eher als Zuschauer in vielen anderen Ländern. Noch rätselhafter: Das der Vorgang bei den Deutschen anscheinend immer schneller geht: Bei der letztjährigen Untersuchung dauerte es im Schnitt noch bis Folge vier.

Tss..., tss... Kein weiterer Kommentar. Demnächst kommt "Luke Cage" zu Netflix. Der ist von Marvel. Und entscheiden Sie sich schnell, falls Sie ein Deutscher sind.

Wo Hunde fliegen und Töpfe kochen: Sky 1 startet als Pay-TV-Kanal






"Ich mache ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann." So regelte einst Don Vito Corleone seine Interessen im Filmgeschäft und in einer ähnlichen Situation ist Sky derzeit wohl auch. Nein, nicht als "Pate". Sky hat ein Angebot erhalten, das sie nicht ablehnen können. Und zwar die Bundesliga-Rechte. Es sind pro Saison genauso viel Spiele wie früher, der FC Bayern macht sie gnadenlos von Jahr zu Jahr langweiliger und trotzdem werden sie deutlich teurer. Aber Sky kann nicht ablehnen. Pay-TV in Deutschland heißt Fußball-Bundesliga. Ohne die ist alles nichts. Sky muss das Angebot annehmen. Und die Gegenseite weiß das und nutzt es, Geschäft ist Geschäft, natürlich auch aus.

Nun hat Sky die so wertvollen Rechte für die kommenden Jahre- und auch die Rechnungen. Das Geld muss zurück verdient werden. Nur wie? Ganz einfach: Man muss als Erstes das Produkt Bundesliga attraktiver machen. Denn es muss entweder teurer oder an mehr Abonnenten verkauft werden- am besten sowohl als auch. Das wiederum ist nicht ganz einfach in Deutschland. Da gibt es öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit Sportschauen und Sportstudios und das Publikum ist sparsam. Also wird es die Bundesliga in 4K UHD. geben. Dazu noch einen eigenen Kanal für Sportnachrichten- frei und für alle. Das ist prima Werbung für das Produkt.

Das reicht aber vielleicht immer noch nicht aus. Geld verdienen mit hochwertigem Pay-TV, Leo Kirch hat das einst schon schmerzhaft erfahren, ist in Deutschland so etwas wie der Versuch, Hunde fliegen zu lassen. Also macht Sky das jetzt auch. Vielleicht bringt es ja neue Abonnenten, die das sehen wollen.

Dazu startet im Abo-Paket der "neue Entertainmentsender" Sky 1 am 3. November seinen Sendebetrieb. Abonnenten von Sky, so wird es versprochen, dürfen sich gleich zu Beginn auf beste Unterhaltung freuen. Und ja, es werden Hunde fliegen.

"Dogs might fly" heißt das dann und es kommt aus Großbritannien. Genauso wie auch Sky 1. Und ein wenig ist es wohl ein Vorgriff auf die mehr oder weniger glanzvolle Zukunft. Drei "weltweit führende Hunde-Experten" durchforsten die Tierheime des Königreichs. Airplane statt Einschläfern - für die Vierbeiner steht viel, wenn nicht sogar alles, auf dem Spiel. Einer von ihnen bekommt am Ende die große Chance, ein Flugzeug zu steuern. Casting auf Leben und Tod sozusagen. Meinen die das ernst? Es sind eben Engländer. Also zum Glück vermutlich nicht.

Noch viel verrückter und origineller ist die nächste Idee: Sky 1 wird auch kochen. In der "Koch-Casting Show" "MasterChef" beurteilt die Jury, bestehend aus den Sterneköchen Ralf Zacherl und Sybille Schönberger sowie Sommelier Justin Leone die Kochkünste und entscheidet, wer in die sogenannte "Master Class" einziehen darf. Zum Start sind es 120 Teilnehmer, nur eine(r) von ihnen wird nach 12 Wochen "MasterChef" und bekommt ein eigenes Kochbuch sowie 100.000 Euro. Wow. Schon jetzt träume ich nach jedem Fernseh-Abend mit Zapping, nein, nicht von fliegenden Hunden- sondern von Töpfen.

Ralf Zacherl sagt dazu: "MasterChef ist Deutschlands am aufwendigsten produzierte Kochshow mit jeder Menge Emotionen." Und Sybille Schönberger: "Ich bin begeistert von den Kandidaten, die in der Sendung alles geben und wunderbare Gerichte kreieren." Nee. Da geh ich lieber fliegen, auch wenn der Pilot ein Hund ist.

Es gibt aber auch richtiges Programm bei "Sky 1": So können sich Abonnenten auf die Sky-Eigenproduktionen "The Tunnel: Sabotage" und "Hooten & The Lady" genauso wie auf die Deutschlandpremieren von "Bordertown", "Victoria", "24: Legacy" sowie die achtteiligen Serie "Medici: Masters of Florence" mit Dustin Hoffman und Richard Madden freuen. Dazu auch noch "Madam Secretary". Téa Leoni spielt in der CBS-Serie Elizabeth McCord, die scharfsinnige, entschlossene und neu ernannte Außenministerin der USA. Als diese lenkt sie nicht nur internationale Diplomatie, interne Machtkämpfe und umgeht das Protokoll, sondern verhandelt sowohl im Weißen Haus als auch als Ehefrau und Mutter zu Hause.

Na dann. Lasst Hunde fliegen- up, up to the Sky:

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