Freitag, 9. Dezember 2016

Star-Youtuber PewDiePie prankt die Presse

Screenshot: youtube.com / PewDiePie

Hehe- "prankt". Wir haben die YouTuber-Sprache voll drauf. Die Auflösung jedenfalls kam sogar ein paar Minuten früher als angekündigt. Der Kanal der Kanäle ist auch weiterhin da. Super-YouTuber "PewDiePie" hat es eben mindestens genauso voll drauf.

Er hat nur irgendeinen Zweitkanal auf YouTube gelöscht. Nicht, wie vermeintlich angekündigt, seinen bekannten und damit YouTubes größten Kanal. Obwohl die YouTube-"Trends" ihm aktuell immer noch nicht gefallen dürften. Nach den "Rewinds" 2016, in denen er eine halbe Sekunde mitspielen durfte, ist auf Platz zwei heute schon wieder ein neues "Carpool Karaoke". Dieses Mal mit Madonna. Mehr als drei Millionen Abrufe trotz viel weniger Abonnenten als PewDiePie. Na ja, egal.

Natürlich wurde rund um den Globus viel darüber berichtet. Und auch oft, wie das Geschäft halt so ist, reißerisch-sensationell. Die meisten und fast alle seriösen Journalisten hatten aber schon das "ja aber" drin. Vielleicht nur eine PR-Aktion. Was das Ganze ja dann wohl auch war.

Die auch von PewDiePie angesprochenen YouTuber-Probleme bleiben. YouTube will "sozialer" werden. Und bringt deshalb mehr Videos in den Trends mit Interaktion. Dazu kommen immer mehr hoch professionelle Produktionen wie eben das "Carpool Karaoke" von der CBS Late Show mit James Corden. Da arbeitet ein großes Team an ausgebufften TV-Profis dran. Das sitzt auf den Punkt. Und das Hauptproblem für die "traditionellen" YouTuber: Mittlerweile haben die auch "social" und YouTube gelernt.

Die Zeit der "Stars" aus dem Kinderzimmer mit Videokamera vom Media Markt- sie geht auch bei YouTube zu Ende. Einige haben den Absprung geschafft. Viele sind irgendwo verschwunden. Eigentlich schade. Aber es war wohl nur eine Frage der Zeit.

Völlig losgelöst: Apple soll aktuelle Kinofilme per iTunes streamen

Foto: Amazon © Warner Bros. Entertainment

Trotz eher vernichtender Kritiken waren die Superhelden der "Suicide Squad" an den Kinokassen dann doch die glorreichen Sechs. Jetzt sind die derzeit branchenüblichen nur noch 90 Tage des Kino-Monopols vorbei und ab 19. Dezember kann man sie bei Amazon Video zum Streaming kaufen oder leihen. Sicher auch woanders. Bei Google Play. Oder Apple iTunes. Oder meinetwegen den gefühlt tausend weiteren Anbietern von Maxdome bis Wuaki.tv.

Andere Blockbuster, wie zum Beispiel den letzten StarTrek "Beyond", kann man bei Amazon die ersten zwei Wochen nur kaufen und erst dann leihen. Es gibt verschiedene Strategien, um im unerbittlichen Preiskampf die maximale Zahl an Euros oder Dollars aus dem nach frischem Entertainment suchenden Zuschauer herauszuholen. Die Preise haben sich zum Streaming-Start bei 5 Euro für Leihen und 14 bis 17 für kaufen eingependelt. Nach dem Start geht es meist zügig bergab.

Da muss mehr gehen, so dachte sich wohl vor etwa einem Jahr der Milliardär Sean Parker. "The Screening Room" hieß sein Start-Up. Für schlappe 150 Dollar sollten sich die Kunden eine Streaming-Box kaufen und dann 50 Dollar für einen Film zahlen. Dafür hätte man dann Blockbuster sehen können- und zwar sofort, also dann, wenn die Leute den Film auch im Kino schauen.

Der Kampf um die Premiere zwischen Kino und Streaming ist für die Branche kein neues Thema. Aktuell hört man von "The Screening Room" nichts mehr. Dafür soll Apple jetzt interessiert sein. Laut Bloomberg sprechen sie mit den Studios. Sofort geht die Nachricht als große Welle durchs Netz.

Denn Apple ist anscheinend die Marke für Journalisten. Die haben immer noch iPhones und kennen sich aus. Jedes "Event" von dort wird begeistert verbreitet. Aber iTunes ist in die Jahre gekommen und irgendwie uncool. Warum, wieso- wirklich hinterfragen tut die Apfel-Ideen trotzdem immer noch so gut wie keiner. Aber alle kennen sich gut damit aus.

Sicher werden die Filmstudios mit Apple darüber reden. Warum auch nicht. Die Blockbuster aus den "Film-Universen" werden tendenziell immer teurer. Sie freuen sich über jede zusätzliche Einnahme-Idee. Nur: Schon am "zusätzlich" kann das Ganze schnell scheitern. 25 bis 50 Dollar für das Streaming von einem neuen "StarWars"-Film schon 14 Tage nach der Premiere- das würden etliche Fans sicher zahlen. Nur würde ein nicht geringer Teil des Geldes dann bei den Kinoeinnahmen fehlen. Im "zusätzlich" liegt das Problem.

Das ist aber noch lange nicht alles. Es wäre eine "Suicide Squad", zu glauben, andere große Verkaufsplattformen würden dieses Geschäft, so es in der Zukunft denn kommt, einfach Apple und iTunes überlassen und sich auf die "Resteverwertung" nach 90 Tagen beschränken. Das wäre vor Jahren vielleicht möglich gewesen. Zwar braucht Apple dringend auch ein "zusätzlich" für mehr Ruhe unter den Aktionären. Nur müssen die Filmstudios jetzt zumindest alle "Großen" gleich behandeln. Alles andere wäre "Suicide Squad".

Wenn die "Kinopremiere" daheim wirklich kommt, dann sind Apple und iTunes nur einer von vielen Anbietern. Das große Geschäft damit werden eher Amazon und die asiatischen Plattformen machen. Denn Apple hat schon viel früher beim "Apple TV" dieses Rennen verloren. "Exklusivität" können, wenn überhaupt, höchstens Marktführer verlangen. Das ist Apple beim Streaming TV längst nicht mehr.

Donnerstag, 8. Dezember 2016

"Molotov TV"- wird das ein explosiver Fernseh-Cocktail aus Frankreich?

Foto: molotov.tv

Deutschland sei das Land der Ideen, sagt die Bundesregierung. Vergesst es. Auf solche Ideen kommt nur, wer zu lange in der Hauptstadt mit den hässlichsten Neubauten der Welt gesessen hat und ewig nicht mehr heraus gekommen ist. Wir sind das einzige Land der Welt mit mindestens vier verschiedenen Mülltonnen und können die beste Software für Dieselmotoren programmieren. Und vielleicht war es das schon.

Frankreich hat es da eindeutig besser. Auch wenn aus manch genialer Idee dann einfach nichts wird. Oder irgendwann das Geld und der Mut ausgehen. Wo Menschen für ihr Recht auf Käse mit Geschmack und deshalb aus unsterilisierter Milch demonstrieren, da wird die Kreativität niemals sterben. Und was dann daraus wird, das werden wir sehen.

"Molotov.tv" ist so eine echt französische Idee. Mach das Fernsehen so, dass es dir schmeckt. Eigentlich ist es ein simpler "OTT"-Internet-TV-Service. Aber "Molotov.tv" macht alles anders. Denn es zeigt keine "Anbieter" und "Sender". Sondern einfach nur noch "Programm".

Man wolle "die tägliche Freude am Fernsehen neu erfinden", so sagten die Molotov-Macher im Sommer beim Start. Es sei zeitintensiv und mühselig, ein interessantes TV-Programm auch zu finden. Mit Molotov könne man auf einen Blick sehen, was es gerade im Fernsehen gibt. Jede Sendung hat ihr eigenes Bild. Die Zeitleiste zeigt an, wie lang sie schon läuft. Man kann live einsteigen oder auch zeitversetzt von Anfang an sehen.

Die Suche funktioniert schnell und präzise. Mit einem Klick kann der Nutzer Sendungen auch zur dauerhaften Aufzeichnung im Molotov Benutzerkonto markieren. Dort bleibt sie so lange verfügbar, bis man sie manuell löscht.

Bisher gab es "Molotov" nur in Frankreich. Deshalb war hier auch noch nichts davon zu lesen- auch wenn man von den ersten Benutzern große Begeisterung hört. Aber jetzt wird "Molotov.tv noch interessanter. Sie haben über 20 Millionen neues Risiko-Kapital von großen Namen wie Sky, TDF oder der UK Media Group sowie von russischen Investoren. Das Ziel: Molotov soll international expandieren als DVR-App in der Cloud.

Das könnte sehr interessant werden. Oder auch "explosiv"- wenn man noch eine wertvolle Marke als "Sender" hat.

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